Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt

Es ist mir in Erinnerung, wie der wohl größte Theologe des 20. Jahrhunderts, Professor Karl Rahner, das Fest Christi Himmelfahrt deutete: Er, nämlich Jesus von Nazareth, war vor 2000 Jahren in dieser Welt und ist dann heimgegangen zum Vater-Gott. Karl Rahner wörtlich: „Es ist erschreckend, dass wir darüber keinen Schmerz empfinden. Jesus hat gemeint, uns trösten zu müssen. Aber unsere dürren und flachen Herzen horchen bei seinem Trost nur verwundert auf.

Wir müssen uns erst lange besinnen, bis wir – vielleicht – ein wenig davon begreifen, dass wir über seine Ferne untröstlich sein sollten. Ja, es ist wahr:

Wir müssten ihn eigentlich festhalten.

Es müsste uns eine Angst befallen über die Leere, die er bei uns hinterlässt. Nun war endlich einer da, der nicht überflüssig ist. Einer, der nicht zur Last wird, sondern trägt, weil er gut ist. So bescheiden gut, dass wir es fast schon alltäglich fanden. Einer, der das unbegreifliche Rätsel hinter allem Greifbaren seinen Vater nannte und dabei weder unglaublich naiv, noch anmaßend wirkte. Er führte die Welt fast in Versuchung, es für selbstverständlich zu halten, wenn er auch uns erlaubte, „Vater unser“ in den göttlichen Himmel hineinzusagen.

Gottes Leben wurde „ansässig“ im Stall dieser Welt

Es war Gottes Erbarmen und seine ewige Weisheit bei uns. Endlich konnten wir uns von Gott etwas anderes denken als die abstrakten Begriffe der Philosophen. Endlich war einer dagewesen, der etwas wusste und doch nicht gescheit reden musste. Man hat alles leibhaftig: Gott, sein Erbarmen, seine Gnade und seine Nähe. Nun ist er wieder fort. Wir nehmen es kühl auf. Vielleicht denkt es in uns im Geheimen: Er hat es bei uns nicht ausgehalten. Natürlich nicht, wenn man ihn kreuzigte.

Und wenn er geblieben wäre?

Wir hätten es bestimmt auch getan, wenn wir dabei gewesen wären. Oder können wir uns im Ernst für besser halten als andere? Es würde die absolute Verlorenheit bedeuten, wenn Jesus nicht für seine Feinde gebetet hätte. Also auch für uns!? Vielleicht gehen nur diese „verloren“, die diesen Trost nicht kennen. „Kann man an dich, Herr, glauben und dich lieben, wenn man so ist wie wir? Wir hoffen es, Herr. Auf die Dauer halten wir es selbst hier nicht aus. Wir sterben ja. Aber ewig „hier bleiben“, das wäre „der ewige Jude in der ewigen Hölle“.

„Jesus hatte getan, was man hier tun konnte“,

so drückt es der berühmte Professor Karl Rahner aus: Jesus hatte getan, was man in dieser Welt tun konnte. Im Bild gesprochen: Er hat sein Herz wie eine Traube bis zum Letzten auspressen lassen und in diese Erde hin­einrinnen lassen. Und dies, bis das Feuer der Schuld und der Qual in ihrem Innern ausgelöscht war, und ausgefüllt war mit dem Blut Gottes selbst. Ist Er uns fern, da Er aufgefahren ist über alle Himmel? Karl Rahner antwortet: „Wann ist uns jemand nahe? Wenn wir ihn betasten und küssen können? Zum Beispiel wie Judas den Herrn Jesus? Oder sind das Gesten, die im Grunde doch nur zur Kategorie der Klopfzeichen gehören, mit denen die Gefangenen von Zelle zu Zelle ihre versperrte Einsamkeit morsen“?

Wenn wir nur eine Leere des Herzens zu spüren meinen,

dann sind wir besser zum Fest der Himmelfahrt vorbereitet, als wir ahnen. Er nimmt uns ja nur den „Schein“, um uns seine Wirklichkeit zu geben, die er vom Vater Gott empfangen hat.

<p class="caption">Herbert Spieler, Vikar, Frastanz</p><p class="caption">
               Foto: AFP
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Herbert Spieler, Vikar, Frastanz

Foto: AFP

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