Ein Haus und kiloweise Marihuana

Die Frau muss auch 20.000 Euro an den Staat bezahlen.  EC

Die Frau muss auch 20.000 Euro an den Staat bezahlen.  EC

29-Jährige pflegte gewinnbringende Hanfanlage: ein Jahr Haft.

Feldkirch Sie selbst hat nicht das ganz große Geld mit den 45 Kilo Marihuana und den 915 sichergestellten Cannabispflanzen verdient, da ist der Senat sicher. Zwar können sich die 6000 Euro Einkommen der „Erntehelferin“ auch sehen lassen, doch im Vergleich zum Verkaufspreis der Drogen seien dies „peanuts“, so der Richter. Das große Geld haben wohl andere gemacht. Hintermänner, die nach demselben Modell Leute anwarben, die für Geld bereit waren, die risikoreiche Aufgabe des „Hanfgärtners“ zu übernehmen. Ähnliche Indoorplantagen gab es in Lustenau und Nüziders.

Geld lockte

Die junge Frau steckte noch in der Ausbildung zu einem medizinischen Beruf. Mit 800 Euro musste sie auskommen, während sie die Schuldbank drückte. Einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro hatte sie ebenfalls offen. Als ein Bekannter sie fragte, ob sie nicht als Nachmieterin in ein schönes Haus mit Pool einziehen wolle, sagte sie nicht nein. Sie stammt aus einer kinderreichen Familie, mit Luxus hatte sie bislang nicht viel zu tun. Die Befürchtungen, sich die Unterkunft nicht leisten zu können, zerstreute der vermeintliche Freund und garantierte, ihr finanziell zur Seite zu stehen. Nur den Keller solle sie nicht betreten, hieß es vorerst. Später stellte sich heraus, dass sich dort eine professionelle Indoorplantage befand. In weiterer Folge bat sie der Bekannte, dass sie sich ein wenig um die Pflanzen kümmert. Schlussendlich half sie bei der Ernte und schnitt mit anderen „Erntehelfern“ die Blüten für 45 Kilo Marihuana.

Verraten

Irgendwann flog die Sache auf, eine ebenfalls in Drogengeschäfte involvierte Frau gab den Namen der 29-Jährigen preis. Man stellte weitere 915 Pflanzen sicher. „Ich war so dumm. Dafür musste ich meine Schule abbrechen und kann beruflich nie mehr das werden, was ich eigentlich wollte“, blickt die Beschuldigte zurück. Doch sie fand mittlerweile eine andere Anstellung. Die junge Frau ist zufrieden, sie kann in einem ähnlichen Bereich arbeiten, macht weiterhin Kurse und man schätzt ihre Arbeit. „Meine Mandantin hat sich blenden lassen“, setzt sich Verteidigerin Andrea Concin für ein mildes Urteil ein. „Die Angeklagte hat ein äußerst umfangreiches Geständnis abgelegt und zeigte sich in einer Weise kooperativ, wie ich es in elf Jahren meiner Anwaltslaufbahn noch nie gesehen habe“, so Concin. Der Senat verhängt drei Jahre Haft, ein Jahr davon unbedingt. 20.000 Euro muss die Verurteilte als Verfallssumme an den Staat bezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig. EC

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