Zweifel an Drohung im Gefängnishof

Der Angeklagte durfte sich über einen Freispruch freuen.  ECKERT

Der Angeklagte durfte sich über einen Freispruch freuen.  ECKERT

17-jähriger Häftling von gefährlicher Drohung freigesprochen.

Feldkirch „Du, da bin ich mir ganz sicher, dass er das gesagt hat“, sagt der 48-jährige Zeuge bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch zu Richterin Sabrina Tagwercher. Er, das angebliche Opfer einer Drohung und Anzeigenerstatter sieht sich voll im Recht. Der Mann sitzt wie der 17-jährige Angeklagte auch in der Justizanstalt. Bei einem Spaziergang im Innenhof im August habe der Jugendliche zu ihm gesagt: „Wenn wir frei sind, bringe ich dich um. Wenn ich dich auf der Straße treffe, schlage ich Dich zusammen“. Im Gefängnis drinnen fürchte er sich nicht, erzählt der 48-Jährige ganz aufgeregt, da habe er ja seine Beamten, die aufpassen. Aber wenn er dann rauskommt, draußen könne es ja schon sein, dass der 17-Jährige gefährlich sei.

Vorfall gemeldet

„Ich habe dem Herrn Staatsanwalt einen Brief geschrieben, dass er doch einmal vorbeischauen solle, damit ich meine Anzeige machen kann“ erzählt der angeblich Bedrohte.

„Warum haben Sie zehn Tage lang mit der Anzeige gewartet, wenn Sie das als so bedrohlich empfunden haben? Sie hatten doch Zeit, Sie waren ja am Wochenende nicht am Lago Maggiore, sondern im Gefängnis“, hakt der Verteidiger schmunzelnd nach. Am Wochenende gehe kein Brief weg, erklärt der Gefragte eloquent und dann habe er außerdem seine Schwester erst fragen müssen, da sie seine Sachwalterin sei. Deshalb habe das so lange gedauert.

Sechs Zeugen, ebenfalls Häftlinge, werden einvernommen. Einer musste sogar aus Innsbruck überstellt werden. Immer wieder wird dieselbe Frage gestellt, doch es scheint fraglich, ob der Angeklagte den anderen wirklich bedroht hat. Jedenfalls lässt es sich nicht zweifelsfrei feststellen. Der Teenager atmet bei dem Freispruch auf. „Ich weiß, dass ich Vorstrafen habe, auch wegen gefährlicher Drohung, aber mir ist bewusst geworden, dass ich schon viel zu viel von meinem Leben weggeschmissen habe“, bereut er seine Vergangenheit. Er erzählt, dass er eine Alkoholtherapie mache und sich bereits um eine Stelle bemühe.

Nach drei Vorstrafen, eine sogar wegen Raubes, sitzt der Mann noch eine Weile. Doch dieses Mal freut er sich über einen Freispruch. Sechs Monate offene Bewährungsstrafe werden somit nicht widerrufen und am 28. Jänner wird er eventuell nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen. EC

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