Falscher Polizist stoppt Radler

Was den Angeklagten zur Amtsanmaßung veranlasste, ist unklar.  eckert

Was den Angeklagten zur Amtsanmaßung veranlasste, ist unklar.  eckert

Ausgerechnet 17-fach vorbestrafter Arbeitsloser gab sich als Beamter aus.

Feldkirch Die Geschichte wirkt kurios und niemandem ist so recht klar, was das Vorgehen des 52-Jährigen bezwecken sollte. Es war Mittel Juli und bereits dunkel, als ein Rentnerehepaar gerade nach Hause radeln wollte. Die beiden fuhren in Dornbirn durch das Färber Areal, der Mann vorneweg, die Frau ein Stück weit dahinter. Plötzlich sprang ihr ein Fremder vors Rad, blendete sie mit einer Taschenlampe und sagte: „Stopp! Stopp! Ich bin die Polizei.“

Er forderte, sie solle absteigen, was die 71-Jährige zunächst auch tat. Doch dann betrachtete sie den Möchtegernpolizisten, sah weder Uniform noch Plakette, und auch sonst wirkte der Mann in gebückter Haltung in keinster Weise wie ein Polizist. „Du bist doch gar kein Polizist“, erwiderte die Dame. „Doch. Stehenbleiben, ich bin die Polizei“, bekräftigte der Arbeitslose noch einmal. Die aufgelöste Frau radelte so schnell sie konnte das kurze Stück nach Hause und erzählte den Vorfall ihrem Mann, der mittlerweile zu Hause angelangt war. Dieser fuhr zurück, um nachzusehen. Auch ihn stoppte der 52-Jährige mit demselben Wortlaut. Es begann ein Gerangel, bis schlussendlich ein Großaufgebot der echten Polizei eintraf. Das Kuriose an der Geschichte ist jedoch, dass der Möchtegernpolizist die Streife selbst alarmiert hatte. Er hatte vor der „Stopp-Aktion“ den Notruf gewählt, weil er angeblich einen mutmaßlichen Einbrecher melden wollte. „Ich habe den verfolgt, als mir gerade die Rentner über den Weg fuhren. Die hätten mich beinahe über den Haufen gefahren“, so die Version des 17-fach vorbestraften, wegen Nötigung und Amtsanmaßung Angeklagten beim Prozess am Landesgericht Feldkirch.

Die Aufzeichnung der Polizei belegt, dass sich der Beschuldigte tatsächlich mit der angeblichen Beobachtung an die Leitstelle gewandt hatte.

Seltsame Geschichte

Der Angeklagte, der einen Fachhochschulabschluss in der Tasche hat, erzählt im Prozess, dass man drei Wochen später einen Mann verhaftet habe, dass es zu einer Gegenüberstellung gekommen sei und der Einbrecher quasi gefasst wurde. Doch davon weiß man bei der Polizei nichts. „Kein Einbruch, Fahndung erfolglos“, heißt es dort. Die zwei Rentner, die aufgehalten wurden, machen laut Richterin Claudia Hagen einen ausgesprochen glaubwürdigen Eindruck. Es gibt kein Motiv für falsche Behauptungen. Was den Angeklagten zur „Polizeiaktion“ bewegt hat, ist aber nicht klar. Wegen Nötigung und Amtsanmaßung fährt der Dornbirner die 18. Vorstrafe ein. Die Sanktion: vier Monate Haft bedingt und 960 Euro Geldstrafe unbedingt. EC

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