16 Jahre Haft für Mordversuch

Das Schwurgericht erklärte den 37-Jährigen einstimmig für schuldig.  eckert

Das Schwurgericht erklärte den 37-Jährigen einstimmig für schuldig.  eckert

Geschworene entschieden: Ehegatte plante seine Frau umzubringen.

Feldkirch Eines Nachts im August des vergangenen Jahres kommt die 37-jährige Reinigungskraft von ihrer Arbeit nach Hause. In Wolfurt vor ihrer Wohnung wartet bereits ihr gleichaltriger Ehemann. Es raschelt, sie fragt ihn, was er wolle und fordert ihn auf, er solle verschwinden. Er zückt ein Küchenmesser, hält die Frau mit der linken Hand fest, mit der rechten sticht er zu. Vier Mal mindestens. 15 Zentimeter bauchseitig, in die rechte Achselhöhle, in den Oberbauch und in den Beckenkamm.

Dort bricht die Spitze ab, der Beckenknochen muss von Ärzten abgemeißelt werden, weil die Messerspitze sonst nicht entfernt werden kann. Monatelange Beschwerden folgen und vor allem die Erkenntnis: „Mein Mann wollte mich tatsächlich umbringen.“ Das schmerzt die zweifache Mutter.

Wenig emotional

Bei seinem Prozess am Landesgericht Feldkirch zeigt der 37-jährige Angeklagte wenig Emotionen. „Was ich getan habe, war nicht richtig“, räumt er nüchtern ein. „Mein Mandant tut sich schwer, Emotionen zu äußern“, setzt sich Verteidiger Florin Reiterer dennoch für ihn ein. Er ist überzeugt, dass der Ehemann im Zorn seine Frau verletzen wollte, aber einen Mord geplant habe sein Mandant sicher nicht, ist der junge Anwalt überzeugt. Die Richterin hakt nach und meint, dass nicht viel Reue zu spüren sei. Die Ehefrau hatte nur durch viel Zufall überlebt. „Wäre der Bauch- oder Brustraum eröffnet worden, wäre dies kaum zu überleben gewesen“, erläutert der Sachverständige Walter Rabl das Gutachten.

Schwer erklärbar

Die Ehefrau sagt unter Tränen aus, doch selbst sie kann sich die Tat nicht erklären. Einmal habe er sie hinausgeworfen, danach wieder zu ihr gesagt: „Komm nach Hause, sonst bring ich dich um.“

Es war absehbar, dass eine Scheidung bald ins Haus steht. Die Frau wohnte mit ihren Kindern getrennt, doch auch eine Nachbarin bestätigt, dass der Mann die Familie immer wieder aufsuchte und für Ärger und Stress sorgte. Viele Jahre waren die beiden verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder im Volksschulalter. Der Sohn der Frau sah seine Mutter nach der Tat. Ihr war nach den Messerstichen auf dem Weg zum Haus schwindlig geworden.

Eine Nachbarin hatte zum Glück den Angriff beobachtet, geschrien und die Polizei verständigt. Staatsanwalt Simon Steixner zählte im Plädoyer nochmals die belastenden Momente auf: Die Arbeitshandschuhe am Tatort, darauf die DNA von Täter und Opfer. Ein eigens mitgebrachtes Küchenmesser. Die Geschworenen waren jedenfalls einstimmig überzeugt: Die Frau sollte ermordet werden. Die Strafe dafür: 16 Jahre Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC

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