Schwangere biss Polizei

von Christiane Eckert

Psychisch Kranke wehrte sich gegen Vorführung zum Arzt, doch sie bleibt in Freiheit.

Feldkirch. (ec). Am Landesgericht Feldkirch musste eine 33-jährige Deutsche wegen eines Vorfalls vor zwei Jahren Rede und Antwort stehen.

Doch von Anfang an war klar, sie ist nicht Angeklagte, sondern Betroffene. Es geht nicht um Strafe, sondern um eine allfällige Einweisung in die Psychiatrie. Doch das Verfahren endet damit, dass die vorläufige Anhaltung auf­gehoben wird und die Frau nach Hause gehen darf. Der Grund: Es ist nicht zu befürchten, dass sie künftig Straftaten mit schweren Folgen begeht.

Einiges vorgefallen

Die 33-Jährige wuchs in einer Großfamilie auf, angeblich gab es immer wieder Gewalt und sexuellen Missbrauch. Die Frau machte eine Ausbildung und arbeitete im Gastgewerbe. Im Sommer 2013 wurde sie schwer depressiv, sorgte als Geisterfahrerin für Gefahr und Unruhe. Auch wegen Kindesentziehung wurde sie einmal angezeigt.

Laut Gutachter Reinhard Haller leidet die mehrfache Mutter an einer schizo-affektiven Psychose.

Elemente der Schizophrenie liegen vor, zusätzlich ist die Patientin manisch-depressiv. Während der depressiven Phasen fehlt der Frau jeder Antrieb und sie verwahrlost regelrecht, was auch ihre Kinder zu spüren bekamen. Sie schlief im Park und wurde immer wieder von der Polizei aufgegriffen.

Während einer heftigen Auseinandersetzung mit zwei Beamten biss die damals im siebenten Monat Schwangere den Polizisten in die Hand und schlug wild um sich. Dabei war die Polizei sehr behutsam mit der Frau umgegangen. Haller bestätigt, dass die werdende Mutter damals nicht zurechnungsfähig war. Nimmt sie ihre Medikamente, ist die Welt ziemlich in Ordnung, setzt sie sie ab, entgleist alles. Das Problem ist, dass die Frau immer wieder glaubt, sie brauche ihre Medizin nicht. Dennoch liegen nicht einmal die Voraussetzungen für eine bedingte Einweisung vor.

Keine gefährliche Person

Was für eine gerichtliche Weisung fehlt, ist die Gefährlichkeitsprognose. „Eine bloß hypothetische Besorgnis, dass es zu einer Tatwiederholung kommen könnte, reicht nicht aus“, so der Oberste Gerichtshof.

Es liegen keine konkreten Umstände vor, die Taten mit schweren Folgen befürchten lassen, so Richterin Sabrina Tagwercher. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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