Termin für Mordprozess auf 11. Oktober fixiert

von Christiane Eckert
VN-Bericht vom 7. Februar 2017.

VN-Bericht vom 7. Februar 2017.

Bluttat an 65-jähriger Dealerin beschäftigt in rund zwei Monaten den Schwurgerichtshof.

Feldkirch. Im Februar 2017 wird die Feuerwehr zu einem Brand in der Bregenzer Arlbergstraße gerufen. Die Flammen können rasch gelöscht werden und sind nicht das Problem. Viel schlimmer ist die Entdeckung einer 65-jährigen, leblosen Pensionistin. Würgemale und die Spuren von 85 Messerstichen werden nachgewiesen. Ein 35-jähriger Drogenabnehmer der Frau wird festgenommen und später wegen Mordes und versuchter Brandstiftung angeklagt. Anfang Oktober steht der zum Teil Geständige vor Gericht. Wie immer bei Kapitalverbrechen werden acht Laienrichter über Schuld oder Unschuld entscheiden.

Knackpunkt Vorsatz

Was den Ablauf der Tat betrifft, scheint die Sache insofern klar, als die Frau durch die Angriffe des Mannes zu Tode gekommen ist. Wie es sich genau abspielte, ist schwierig zu rekonstruieren, der Bregenzer hat drogenbedingt angeblich erhebliche Erinnerungslücken, sonst gibt es keine Zeugen, das Spurenbild ist nicht ganz klar. Ein wilder Substanzenmix wird nachgewiesen. Der stämmige Mann beteuert, seine langjährige Bekannte nicht vorsätzlich getötet zu haben. Nicht einmal verletzen habe er sie wollen. Ob die Laienrichter bei 85 Messerstichen dieser Schilderung Glauben schenken, ist offen. Das Gutachten attestiert zwar eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit, Unzurechnungsfähigkeit lag aber nicht vor. „Mein Mandant betont immer wieder, wie leid ihm alles tut. Auch die Familie der Getöteten“, so Verfahrenshilfeanwalt Martin Ulmer.

26 Anzeigen

Gegen den Mann, der in einer Großstadt Nordrumäniens geboren wurde, liegen bereits 26 Anzeigen vor. Er wuchs bei seinen Eltern in Rumänien auf und kam mit elf Jahren nach Vorarlberg. Er schaffte den Hauptschulabschluss und zeigte sich durchschnittlich intelligent. Dann besuchte er zwei Jahre die Textilschule und versuchte sich als Kochlehrling, doch alle seine beruflichen Bemühungen scheiterten an seiner Drogensucht. Zuletzt lebte der Mann von Gelegenheitsjobs. Vor der Tat hatte er eine Freundin, sein späteres Opfer nannte er selbst „Ersatzmama“.

Elf Tage vor der Gewalttat verließ der Drogenabhängige die psychiatrische Abteilung des Landeskrankenhauses in Rankweil. Zum Zeitpunkt der Entlassung bestanden keine Hinweise auf akute Fremd- und Selbstgefährdungsmomente. Doch auch dieses Mal hatte sich der Patient nicht an die Therapievereinbarung gehalten. Seine Sucht führte kurz darauf zu der Tragödie, mit der sich der Schwurgerichtshof am elften Oktober beschäftigen muss. Den Vorsitz führt Richter Richard Gschwentner, anberaumt ist die Verhandlung von 9 bis 17 Uhr.

Verteidigt wird der Angeklagte von Verfahrenshelfer Martin Ulmer. Gerichtsmediziner Walter Rabl, Psychiater Reinhard Haller sowie zwei Zeugen sind geladen.

Mein Mandant betont immer wieder, wie leid ihm alles tut.

Martin Ulmer
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