„Hitlerbier“ im Kühlschrank

von Christiane Eckert
Der Angeklagte gab sich im Wesentlichen geständig und bezeichnete seine Taten nur als „Blödsinn und Dummheit“.  Foto: Eckert

Der Angeklagte gab sich im Wesentlichen geständig und bezeichnete seine Taten nur als „Blödsinn und Dummheit“.  Foto: Eckert

Arbeiter wegen zahlreicher rassistischer Entgleisungen am Landesgericht verurteilt.

Feldkirch. „Ich war immer schon ein Skinhead. Ich steh fürs arisch Nationale“, postete der 32-Jährige im Internet. Zum Foto einer Tellermütze mit Nazisymbolen schrieb er ins Netz: „Daran erkennt Ihr Euren Sachbearbeiter“. Gerichtet war die Botschaft an Flüchtlinge. Aber auch der Musikgeschmack des Mannes spricht Bände. Die Band „Screwdriver“ ist bekannt für ihre aussagekräftigen Neonazitexte. Von ihr schwärmte der Arbeiter zumindest früher.

„Hitlerbier“ in der Küche

In einem Regal in der Küche präsentierte der Wolfurter stolz sein „Hitlerbier“. Auf dem Etikett der Flasche: der Führer mit Hitlergruß. „Das war ein Geschenk einer Bekannten“, erklärt der Beschuldigte bei seiner Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. Auch damit posierte er für einige Fotos. T-Shirts, Musik, Helme, Symbole – alles ergibt für die Anklagebehörde ein abgerundetes Bild. „Mein Mandant steht dazu, und natürlich gibt es an diesen Fakten nichts zu rütteln“, gesteht auch Verteidiger Nicolas Stieger zu. Allerdings habe sich sein Mandant vor Langem von all dem distanziert. In seinem Job arbeite er täglich mit Männern aller möglichen Nationen zusammen, Probleme habe es in all den Jahren nie gegeben, so Stieger.

Dummheit und Geständnis

„Es war eine Dummheit, ein Blödsinn“, zeigt sich der Mann gleich zu Beginn geständig. Doch das will Richterin Angelika Prechtl-Marte nicht so ohne Weiteres gelten lassen. „Wegen einer Dummheit sitzen wir heute nicht hier, das sind Verbrechen“, macht sie dem Mann klar. Doch viel ist zur Motivation aus dem Angeklagten nicht herauszubringen. Er sei da so hineingerutscht, ohne viel Nachdenken, hineingezogen von Bekannten, gibt er an. Immer wieder reagierte der Angeklagte auf Facebook-Einträge. Anlässlich des Beitrags „Ich hab lieber 100 Flüchtlinge in der Nachbarschaft als einen Neonazi“ reagierte er mit dem Kommentar „I ned“. Dazu stellte er ebenfalls wieder einiges an Nazisymbolen.

Fall ist klar

Was die Schuldfrage betrifft, gibt es nicht allzu viel zu überlegen. Der Mann räumt ein, dass er all diese Taten gesetzt hat, drückt allerdings herum, es sei ihm nicht so wirklich bewusst gewesen, was er da tat.

Die Geschworenen legen gemeinsam mit den drei Berufsrichtern die Strafe mit zwölf Monaten bedingt plus 2520 Euro unbedingter Geldstrafe fest. Ein alter Strafrest aus einer früheren Verurteilung in der Höhe von 600 Euro plus 500 Euro Verfahrenskosten kommen noch dazu. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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