Kriegsverbrechen in der Ukraine: Ex-Kamerad verteidigt Benjamin F.

VN-Bericht vom 2. Mai 2017.

VN-Bericht vom 2. Mai 2017.

Der Vorarlberger soll als Sanitäter nicht direkt an den Kämpfen beteiligt gewesen sein.

Wien. Jener 25-jährige Kleinwalsertaler, der von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt verdächtigt wird, als freiwilliger Kämpfer in der Ostukraine an „Kriegsverbrechen gegen Personen“ beteiligt gewesen zu sein, bekommt Schützenhilfe von einem ehemaligen Kameraden: Ihm zufolge war Benjamin F. nicht direkt in die Kämpfe involviert. Er sei als „kämpfender Sanitäter“ („Tactical Medic“) lediglich daran beteiligt gewesen, Leichen zu bergen und abzutransportieren. Dabei sollen die Fotos entstanden sein, berichtet das Nachrichtenmagazin „profil“ in seiner Montagsausgabe.

Haftbefehl

Der Vorarlberger wurde Ende April aufgrund eines europäischen Haftbefehls von polnischen Grenzschützern festgenommen, als er nach einem längeren Aufenthalt in Österreich und der Schweiz wieder in die Ukraine reisen wollte. Laut der Staatsanwaltschaft soll er auf der Seite der Ukraine Zivilisten und Soldaten, „die sich bereits ergeben hatten“, getötet haben. Nach Informationen von „profil“ stützt die Behörde die Vorwürfe gegen ihn unter anderem auf Fotos, die zeigen, wie der 25-Jährige in einem Schützengraben mit verstümmelten Leichen posiert.

Schwere Gefechte

Laut dem Mann sei eine Aufklärungseinheit des 11. Bataillons der ukrainischen Armee, der F. vergangenes Jahr beigetreten war, Ende Juli 2016 nahe der Stadt Popasna in Lugansk in schwere Gefechte mit pro-russischen Separatisten verwickelt gewesen. Die Auseinandersetzungen forderten mehrere Menschenleben auf beiden Seiten. „Mit ihrem Tod hat Ben nichts zu tun“, beteuerte der Mitkämpfer des Kleinwalsertalers in dem Nachrichtenmagazin: „Die waren schon gestorben, und keiner hat irgendeinen Scheiß mit ihnen angestellt.“ Die Verstümmelungen an den Toten seien vielmehr durch Schüsse und Granatenexplosionen im Gefecht verursacht worden. Auch ein Sprecher des rechtsextremen ukrainischen Prawyj Sektor erklärte gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA, dass der Vorarlberger als Sanitäter tätig war. Der 25-Jährige sitzt derzeit noch in Polen in Haft. Seine Auslieferung an Österreich wird in ein paar Wochen erwartet.

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