Gefängnis für jugendlichen Nazi

von Christiane Eckert
VN-Bericht vom 30. Oktober 2015.
VN-Bericht vom 30. Oktober 2015.

16-Jähriger beschmierte Gebäude und Friedhöfe, von Reue ist nichts zu spüren.

Feldkirch. „Alles Große ist ewig, Ruhe in Frieden mein Führer, wir werden Dein Werk zu Ende führen“, postete der heute 17-Jährige am Todestag von Adolf Hitler auf Facebook. Polizeiliche Befragungen ergaben, dass der Junge erstaunlich viel über diese Zeit weiß.

„Er konnte diese Gesinnung im Haushalt seiner Mutter ausleben“, sagt Staatsanwältin Laura Hutter-Höllwarth beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Und der Jugendpsychologe meint in seinem Gutachten: „Diese Ideologie ist so weit verfestigt, dass man schon beinahe von Besessenheit sprechen kann.“

Ein „Steher“

Lange Zeit bleibt der Angeklagte bei sämtlichen Einvernahmen ein „Steher“ und sagt, er finde so ziemlich alles gut am Nationalsozialismus. Nur im Prozess stammelt er wenig überzeugend: „Heute bin ich anderer Meinung.“

Zahlreiche Aktionen

Wie sehr er hinter seiner Gesinnung steht, zeigt sich an der Vielzahl der Schmierereien. In Hohenems wurden die jüdische Synagoge, der jüdische Friedhof und das Museum beschmiert. Am islamischen Friedhof wurde gegen Türken gehetzt, an einem Flüchtlingsheim die Aufschrift: „Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft“ angebracht. Unterführungen, eine Kapelle, ein Haus des Roten Kreuzes, ein Firmengebäude, überall Hasstiraden wie „Jude verrecke!“, Zahlensymbolik wie 88 für Heil Hitler oder Hakenkreuze. Der Schaden beträgt rund 3000 Euro.

Wenig Einsicht

Die Aussagen des Angeklagten wirken emotionslos. Das Gericht empfiehlt nach seiner Entlassung dringend eine Unterkunft außerhalb der mütterlichen Wohnung. Zudem sollte der Mann ein Anti­aggressionstraining machen. „Dazu bin ich nicht bereit, ich krieg das alleine hin“, sagt der 17-Jährige.

Früher versuchte die Jugendhilfe schon einmal, den Jugendlichen zur Vernunft zu bringen. Doch weder der Teenager noch die Mutter waren bereit, hier umzudenken. Neben der nationalsozialistischen Wiederbetätigung hat sich der junge Mann noch einen versuchen Widerstand gegen die Staatsgewalt und eine Sachbeschädigung geleistet.

Bei einer Hausdurchsuchung durch die Polizei rastete er aus und wollte mit einer Eisenstange auf zwei Beamtinnen losgehen. Das Schwurgericht findet den Burschen für schuldig und verurteilt ihn zu insgesamt 24 Monaten Haft, acht davon unbedingt. Der bislang Unbescholtene kann sofort bedingt entlassen werden und hat nunmehr noch knapp zwei Monate zusätzlich offen. Er bekommt vom Gericht noch einiges an Weisungen auferlegt, das Urteil ist rechtskräftig.

Er konnte diese Gesinnung im Haushalt seiner Mutter ausleben.

Laura Hutter-Höllwarth
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