Nach Erbrechtsstreit samt Exhumierung nun Strafprozess

von Christiane Eckert
VN-Bericht vom 27. August 2015.
VN-Bericht vom 27. August 2015.

Holländer hat Kampf ums Erbe verloren, nun muss er auch noch vors Strafgericht.

feldkirch. Lange Zeit beschäftigte diese Causa die Gerichte. Im Zivilprozess ging es darum, ob der heute 46-jährige Holländer der leibliche Sohn eines verstorbenen reichen Dornbirners ist. Dann wäre der Mann erbberechtigt gewesen. Lange wurde prozessiert, keine Mühen wurden gescheut. Die rechtmäßigen Erben verneinten, der Holländer beharrte auf seiner Ansicht und setzte sogar durch, dass der Verstorbene im September 2014 exhumiert wurde. Doch molekularbiologische Untersuchungen der Proben am Gerichtsmedizinischen Institut in Innsbruck brachten den Beweis: Der Holländer ist nicht der Sohn des einst vermögenden Verstorbenen. Doch nach Ende des Zivilstreits interessiert sich nun die Staatsanwaltschaft für eine ganz andere Frage: Haben der nun wegen schweren Betrugs angeklagte 46-Jährige und dessen zweitbeschuldigter Halbbruder eine gefälschte Urkunde vorgelegt, nur um an einen Erbteil zu gelangen? Gestern fand der Prozessauftakt in dem Fall statt. Doch das Verfahren endete jäh, und das aus einem kuriosen Grund.

Verständigungsprobleme

Der Erstangeklagte ist aufgeregt; schnell und undeutlich spricht er deutsch und holländisch gemischt, sodass Richter Norbert Melter dessen Deutsch und die Übersetzerin das Holländisch nicht versteht. Eine Weile wird dennoch versucht, der Sache auf den Grund zu gehen. Zumindest Staatsanwältin Ursula Koller kann ihr Plädoyer klar vorbringen. Der Angeklagte soll gemeinsam mit seinem zehnfach vorbestraften Halbbruder auf Vaterschaftssuche gegangen sein. „Man dachte sich, dass ein möglichst reicher Vater günstig wäre“, so Ursula Koller.

Urkunde gefälscht

Es habe unter Umständen auch einige Hinweise gegeben, dass der reiche Dornbirner eventuell tatsächlich der Vater des Niederländers sein könnte, räumt die Anklägerin ein. Doch dann habe man kriminelle Ideen geboren, um das Ganze zu untermauern. Ein anderer, weit weniger vermögender Dornbirner hatte 1971 offenbar die Vaterschaft für den Holländer zunächst anerkannt. Das hatte Letzterer in Erfahrung gebracht und den Mann aufgesucht, um ihn kennenzulernen. Doch der Aufgesuchte hatte keine Freude und rief angeblich schon von Weitem aus seinem Haus durchs offene Fenster herunter: „Ich will mit der Sache nichts zu tun haben. Dein Vater ist der Verstorbene, er hat mir damals 7500 Schilling für das falsche Anerkennen der Vaterschaft gegeben.“

Daran hätten die beiden Halbbrüder angeknüpft. Der jüngere versuchte dann, das Ganze auch zu Papier zu bringen, was nun ein rechtliches Problem darstellt, weil der Halbbruder dabei mehr „mitgeholfen“ habe als rechtlich zulässig ist. „Grund dafür war, dass der Mann persönlich nicht mehr unterschreiben konnte, weshalb man in Gegenwart des einverstandenen Mannes geholfen habe“, kontert die Verteidigung. Wegen der sprachlichen Schwierigkeiten wurde der Prozess vertagt. Bleibt abzuwarten, wie die nächste Dolmetscherin mit dem Problem zurande kommt. 

Man dachte sich, dass ein möglichst reicher Vater günstig wäre.

Ursula Koller
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