aus dem bezirksgericht. Verkehrsunfall

Im Schlaf vier Autos verbeult

Der Unfall vom 31. März in Hohenems. Foto: vol.at/rauch
Der Unfall vom 31. März in Hohenems. Foto: vol.at/rauch

Blechsalat: Diesmal war’s nicht der Alkohol, sondern Übermüdung am Steuer.

Bregenz (VN-gs) Am 31. März dieses Jahres krachte es in Hohenems. Ein Autofahrer, der brav vor der stehenden Kolonne angehalten hatte, wurde plötzlich beinahe aus dem Sitz gehoben. Ein Pkw war von hinten gegen ihn geprallt, sein eigenes Fahrzeug wurde nach vorne geschoben und somit zu einem Rammbock für noch zwei weitere Autos.

Fazit: Vier verbeulte Pkw mit fassungslosen Lenkern, deren Tagesprogramm sich mit einem anschließenden Besuch im Krankenhaus änderte. Diagnose: Halswirbelzerrung bei drei Beteiligten.

Anfänglich galt es noch als unklar, warum der 30-jährige Hohenemser vor der stehenden Kolonne nicht abgebremst hatte. Alkohol war jedenfalls nicht im Spiel,
wie die obligatorische und unmittelbare Blutabnahme erwies.

Knapp sechs Monate nach der Havarie schreitet der Unfallverursacher in den Verhandlungssaal des Bezirksgerichtes Bregenz. Auf die Frage von Richter Christian Röthlin, wie viel er denn verdiene, stutzt der Angestellte zunächst: „Weiß nicht, muss erst mal nachschauen . . .“ Er holt den Lohnzettel vom vergangenen Monat aus der Tasche, reißt ihn erst jetzt auf und legt ihn dem Richter vor.

Fahrlässige Körperverletzung lautet die Anklage. Und die Frage lautet: „Was war geschehen?“

„Beim Aufprall aufgewacht“

Der Beschuldigte antwortet gelassen, doch hellwach. Diesmal. Denn zum Unfallzeitpunkt war er mehr den Träumen nahe als der Realität im Verkehr: „Ich hatte in der Nacht zuvor nur fünf Stunden geschlafen. Habe etwas zu lange Fernsehen geschaut.“

Ja, ein Sekundenschlaf sei es gewesen, der ihn die Kontrolle über das Steuer verlieren ließ. Vor allem aber über das Bremspedal. „Ich bin erst beim Aufprall aufgewacht“, sagt er und: „schon auf der Autobahn musste ich gähnen.“

Auf die Frage nach seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung bittet der 30-Jährige den Richter nach der Möglichkeit einer Diversion, also eines außergerichtlichen Tatausgleichs. Und zwar in Form einer Bezahlung von tausend Euro. „Die Staatsanwaltschaft hat mir diese Option bereits angeboten, doch hat es damals ein Zahlungsproblem gegeben.“ Diesmal aber habe er den Betrag dabei. Bar, in der Tasche. Der Richter stimmt der Diversion zu. „Gehen Sie zum Zahlen zur nächsten Türe und zeigen Sie mir anschließend den Beleg.“ Gesagt, getan. Nach zwei Minuten erscheint er wieder und legt die Zahlungsbestätigung vor. Das Strafverfahren wird eingestellt. Mit einem wachen „Wunderbar!“ verabschiedet sich der Hohenemser.

Der Unfall vom 31. März in Hohenems. Foto: vol.at/rauch
Der Unfall vom 31. März in Hohenems. Foto: vol.at/rauch
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