Obdachloser attackiert 17-jähriges Mädchen

von Markus Sturn
Lisa N. an der Bushaltestelle, wo sie Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wurde.  Foto: VN/Hartinger
Lisa N. an der Bushaltestelle, wo sie Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wurde. Foto: VN/Hartinger

Mann schlägt Lehrling zweimal ins Gesicht, bezichtigt seinen „Doppelgänger“.

Weiler. Jeden Morgen fährt Lisa N. mit dem Moped von Fraxern ins nahegelegene Weiler. Dort sitzt sie einige Minuten an der Bushalte-stelle und genießt die Stille, zumeist mit einer beruhigenden Zigarette in der Hand. Dann steigt sie in den Bus, Linie 59 oder 60, und fährt weiter nach Feldkirch, wo sie derzeit ihre Lehre zur Einzelhandelskauffrau absolviert.

Am Freitag, den 18. April 2014, ist alles anders. Gegen Viertel vor neun sitzt das Mädchen wieder an der vertrauten Bushaltestelle, als plötzlich ein Mann in zerlumpten Kleidern auf sie zukommt. Etwa 1,70 Meter groß sei er gewesen, mit einem braungrünen T-Shirt am Leib und wenigen Zähnen im Mund. So erinnert sie sich später auf der Polizeiinspektion Sulz.

„Haben Sie Kleingeld?“

„Haben Sie Kleingeld?“, bittet der Mann den Lehrling um ein paar Münzen. N. verwehrt sie ihm, schickt den Fremden weg. Der Mann geht ein paar Meter weiter. Vor einer Bank spricht er noch jemanden an. Der antwortet nur, er solle sich einen Job suchen, wenn er Geld wolle. Verärgert dreht der Mann um. Er läuft schnurstracks auf N. zu, flucht dabei. Und schleudert der 17-Jährigen einige Münzen ins Gesicht.

„Das wollte ich mir auf keinen Fall gefallen lassen“, erzählt N. Das Mädchen springt auf, will den Mann zur Rede stellen. In dem Augenblick schlägt er auch schon zu. Auf die rechte Wange trifft der Schlag. N. versucht sich zu wehren, holt mit dem linken Fuß aus. Bevor sie etwas tun kann, spürt sie aber schon den zweiten Schlag. Erst als sie ihm droht, die Polizei zu rufen, lässt der Mann ab und trabt wortlos davon.

Blut im Mund

N. sitzt kurz auf der Bank und denkt nach. „Eigentlich wollte ich danach noch zur Arbeit fahren“, schildert sie diese Minuten. Dann bemerkt sie, dass Blut aus ihrem Mund tropft. Die Wut überkommt sie. N. greift zum Telefon und wählt die Nummer der Polizei. Als sie bei der Polizeiinspektion Sulz zur Zeugenaussage eintrifft, haben die Ordnungshüter den Mann auf Grund ihrer Beschreibung schon in Gewahrsam genommen.

Doppelgänger am Werk?

Laut PI Sulz bestreitet der Mann, ein 43-jähriger Ungar, die Tat. Seine Verteidigungsstrategie mutet etwas skurril an: Eine Wahrsagerin habe ihn davor gewarnt, dass ein Doppelgänger unterwegs sei. Wenn, dann müsse der die Tat begangen haben. Sonst habe er keine klaren Angaben zu seiner Person machen können. Zwar sei er schon mehrfach aufgefallen, noch nie aber im Rahmen einer strafbaren Handlung. Der Mann wird jetzt auf freiem Fuß angezeigt, wegen des Tatbestands der Körperverletzung. 

Fehlende Zivilcourage

Lisa N. dürfte das kaum zufriedenstellen. Einige Tage nach den Geschehnissen ist die 17-Jährige noch immer völlig außer sich. Und das, ­obwohl die Wunde in ihrem Gesicht mittlerweile abgeheilt ist. „Dass so etwas in einem Land wie Vorarlberg passieren kann, hätte ich nicht gedacht.“ Besonders frustriert sie, dass ihr niemand zu Hilfe gekommen ist. „Ich finde es schade, dass niemand dieses Maß an Zivilcourage hatte.“

Lisa N. an der Bushaltestelle, wo sie Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wurde.  Foto: VN/Hartinger
Lisa N. an der Bushaltestelle, wo sie Opfer eines gewaltsamen Übergriffs wurde. Foto: VN/Hartinger
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.