Freispruch für einen angeblichen Prügelgatten

von Christiane Eckert

Schläge, Würgen, Drohungen – Gattin sagt nicht mehr aus, somit keine Konsequenzen.

Feldkirch. Zwei Jahre lang soll der 27-jährige Türke laut ursprünglicher Aussage seiner Ehefrau geschlagen und bedroht haben. Mehrfach habe er zugelangt, sie sogar einmal gewürgt. Einmal habe er den kleinen Sohn getroffen, als er sie schlagen wollte. Der Arbeiter setzt sich auf die Anklagebank: „Nie geschlagen, nie verletzt, nicht gewürgt und nicht bedroht“, ist seine knappe Erklärung. „Wenn du dich scheiden lässt, bring ich dich um! Es ist mir egal, wenn ich dafür in den Knast gehe, meine Brüder sind auch dort“, soll der junge Mann gesagt haben. „Alles erfunden“, wiederholt der Beschuldigte.

Freispruch

Die 23-Jährige erscheint als Zeugin, macht allerdings von ihrem Entschlagungsrecht Gebrauch. Der Gesetzgeber gestattet dies. Er will niemanden in die Zwickmühle bringen, gegen einen nahen Verwandten, den Ehemann oder Lebensgefährten aussagen zu müssen. Wenn sich die Frau im Prozess entscheidet, nicht mehr auszusagen, dürfen auch alle Angaben, die sie einst bei der Anzeigenerstattung machte, nicht verwertet werden. Somit bleibt oft nichts Belastendes mehr übrig und ein Freispruch ist die Folge.

Keine weiteren Beweise

Gäbe es einen Beleg für die erlittenen Verletzungen, Zeugen, die sahen, wie es passierte, könnte sich das Gericht zumindest darauf stützen. Da sich aber die einzige Zeugin, die Schwägerin des Angeklagten, auch der Aussage entschlägt, gibt es nichts, was den Mann belasten würde. Somit Freispruch vom Vorwurf der fortgesetzten Gewaltausübung, der versuchten Körperverletzung und der schweren Nötigung. Das Gesetz will es so. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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