aus dem bezirksgericht. Unerlaubter Waffenbesitz

Schreckschussattentat gegen „fremden“ Türken

von Gerhard Sohm
Der Angeklagte feuerte mit einer Schreckschusspistole vor einem Türken auf den Boden.
Der Angeklagte feuerte mit einer Schreckschusspistole vor einem Türken auf den Boden.

Serbe ignorierte über ihn verhängtes Waffenverbot – wegen Angst vor „Ausländern“.

Bregenz. Der arbeitslose junge Mann lebt in Bregenz, ist serbischer Staatsbürger und weder ein Freund von gefährlichen „Aliens“ jenseits der Donau noch der Gesetze Österreichs. So eignete er sich zum wiederholten Male eine Schreckschusspistole von der Art an, wie sie in der Alpenrepublik unters Waffengesetz fällt.

Dreimal vorbestraft

Das brachte ihm eine Anzeige und einen Termin am Bezirksgericht ein, wo ihn Richter Christian Röthlin gleich zu Beginn der Verhandlung mit der Frage konfrontierte:

„Haben Sie Vorstrafen?“

„Nein.“

„Ich sehe hier im Register aber gleich drei“, rief ihm Röthlin ins Gedächtnis.

„Ach ja, genau – und wenn, was soll’s“, entgegnete ihm der Beschuldigte achselzuckend.

Dem Serben war im Juni dieses Jahres von der Polizei eine Schreckschusspistole abgenommen worden. Gleichzeitig wurde von der Behörde ein Waffenverbot über ihn verhängt. Doch das nahm der 22-Jährige nicht so genau. Denn er war von einem gewissen Schutzbedürfnis beseelt, dem der Richter nun auf den Grund gehen wollte.

„Einfach zu riskant“

Und den schilderte ihm der Angeklagte wie folgt: „Wir leben hier gemeinsam mit Türken, Tschetschenen und anderen Ausländern! Es ist einfach zu riskant!“

„Gefährliche Situationen“

Röthlin: „Auch ich lebe hier mit Ausländern, und ich sehe keinen Grund zur Furcht. Es scheint also, sie begeben sich des Öfteren in gefährliche Situationen.“

Der Serbe bejahte dies, denn immerhin schoss er im September mit der neu erworbenen Schreckschusspistole vor einem Türken auf den Boden. „Denn ich fühlte mich von ihm bedroht“, wie er begründete.

Und dennoch, vor der Urteilsverkündung beteuerte er in seinem letzten Wort: „Es wird nicht wieder vorkommen.“

480 Euro Strafe

Der Verstoß gegen das Waffengesetz brachte dem Verurteilten eine Strafe in Höhe von 480 Euro ein. Damit war der Serbe, der mit 290 Euro Sozialhilfe auskommen muss, nur teilweise einverstanden: „Ich könnte das mit einer Ratenzahlung von höchstens 20 Euro monatlich erledigen“, schlug er vor. „Damit komme ich aber nicht weit“, entgegnete der Richter. „Bei Ihnen sind 40 Euro der Mindestsatz.“

„Doch damit komme ich nicht weit . . .“, so sein Gegenüber. Das Urteil ist rechtskräftig.

Auch ich lebe hier mit Ausländern, und ich sehe keinen Grund zur Furcht.

Richter christian röthlin
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