Kinderpornoring gesprengt: Auch Vorarlberger angezeigt

Kanadier soll Kinder­pornos in die ganze Welt verkauft haben – Auch nach Vorarlberg.

kanada, wien. (VN-mef, apa, dpa) Sie arbeiten als Lehrer, Ärzte oder Handwerker. Sie leben in Mexiko, Australien, Deutschland oder Österreich. Und alle haben eine dunkle Verbindung zu einem 42-jährigen Kanadier. Der Mann soll weltweit Kunden mit kinderpornografischem Material versorgt haben. Bei einer internationalen Polizeiaktion namens „Operation Spade“ wurden Zug um Zug über 300 Personen festgenommen. Wie das Bundeskriminalamt gestern bekannt gab, stammen auch 63 Beschuldigte aus Österreich. Zwei davon aus Vorarlberg.

„Alle beschuldigten Österreicher wurden auf freiem Fuß angezeigt“, teilte Pressesprecher Mario Hejl auf VN-Anfrage mit und wies darauf hin, dass die Ermittlungen in diesem Fall bereits seit drei Jahren im Gang seien. Die Männer im Alter von 22 bis 67 Jahren stehen im Verdacht, Tausende Dateien gegen Geld auf ihre Festplatten geladen zu haben. Mehrere Männer waren den Behörden bereits einschlägig bekannt. „Vom Arbeitslosen über den Arbeiter bis hin zum Akademiker war alles dabei“, sagte Hejl. Über die Hintergründe derbeiden verdächtigen Vorarlberger war vorerst nichts zu erfahren. Insgesamt wurden in Österreich 2300 Datenträger, Festplatten und DVDs mit kinderpornografischem Material bei den Beschuldigten sichergestellt. Dabei handelte es sich um 300.000 kinderpornografische Dateien. In Österreich übernahmen Beamte des Bundeskriminalamts (BK) sowie der Landeskriminalämter die Hausdurchsuchungen. Das sichergestellte umfangreiche kinderpornografische Material muss nun ausgewertet werden. Die Erhebungen sind laut Hejl noch im Gange.

386 Opfer identifiziert

Insgesamt wurden bei der weltweiten Aktion 341 Personen in Gewahrsam genommen, 386 Kinder wurden als Opfer identifiziert. Die Fotos und Filme dürften vor allem in Osteuropa angefertigt worden und dann von dem 42-Jährigen in den USA, Kanada, Australien und vielen anderen Ländern verkauft worden sein, teilte die Polizei in Toronto mit. Mehr als drei Millionen Menschen sollen 2010 die Website besucht haben. Gegen den Mann wurde seit 2010 ermittelt, er wurde im Mai 2011 festgenommen.

Daraufhin übermittelten die kanadischen Behörden auch den Ermittlern in Österreich die IP-Adressen jener Computer, die kinderpornografisches Material von dem Server des Kanadiers runtergeladen hatten.

Beteiligt waren Polizeieinheiten vor allem aus den USA, aber auch aus Australien, Mexiko, Spanien, Südafrika, Hongkong, Irland, Norwegen, Griechenland und Gibraltar. Fahndern in mehr als 50 Ländern seien die Ermittlungsergebnisse der „Operation Spade“ zur Verfügung gestellt worden.

Vom Arbeitslosen über den Arbeiter bis hin zum Akademiker war da alles beteiligt.

mario hejl, Bundeskriminalamt

Bis zu zwei Jahre Haft für Besitz von Kinderpornos

In Österreich droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren, wenn man pornografisches Material von Kindern unter 14 Jahren besitzt oder sich verschafft hat. Werden sogenannte mündige Minderjährige (14- bis 17-Jährige) abgebildet, droht ein Jahr Haft. Strenger ist natürlich der Strafrahmen für die Herstellung oder Verbreitung von Kinderpornos. Dafür drohen bis zu zehn Jahre.

Geregelt wird das Thema Kinderpornografie im österreichischen Strafgesetzbuch durch den Paragrafen 207a, der seit 1. Juni 2009 in geänderter Form in Kraft ist. Damals wurde der Absatz 3a hinzugefügt, der auch das wissentliche Zugreifen auf kinderpornografische Darstellungen im Internet – also das „bloße Ansehen“ – unter Strafe stellt. Hier gilt der selbe Strafrahmen wie für den Besitz – bis zu zwei Jahre bei Kindern unter 14 Jahren und ein Jahr für mündige Minderjährige.

Gegen jene Personen, die an der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornos beteiligt waren, geht die heimische Justiz härter vor. Da sind Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren vorgesehen.

Kriminelle Vereinigung

Wenn die Machenschaften gewerbsmäßig geschehen, ist eine Haft von sechs Monaten bis fünf Jahre möglich. Mit bis zu zehn Jahren ist zu bestrafen, „wer die Tat als Mitglied einer kriminellen Vereinigung oder so begeht, dass sie einen besonders schweren Nachteil der minderjährigen Person zur Folge hat“, heißt es dazu im Strafgesetzbuch. Wird die pornografische Darstellung unter Anwendung schwerer Gewalt hergestellt oder bei der „Herstellung das Leben der dargestellten minderjährigen Person vorsätzlich oder grob fahrlässig gefährdet“, gilt ebenso ein Strafrahmen von bis zu zehn Jahren.

Mit dem 2012 in Kraft getretenen Kinderschutzpaket wurde auch die wissentliche Betrachtung von pornografischen „Darbietungen“ Minderjähriger unter Strafe gestellt. Darunter fallen zum Beispiel Webcam-Aufnahmen. Bis zu einem Jahr Haft gibt es hier bei mündigen Minderjährigen, bis zu zwei Jahren Haft bei Unmündigen.

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