Acht Jahre Haft für jungen Messerstecher

von Christiane Eckert
Der 17-jährige Ludescher wurde von den Geschworenen einstimmig schuldig gesprochen. Foto: vn/hofmeister
Der 17-jährige Ludescher wurde von den Geschworenen einstimmig schuldig gesprochen. Foto: vn/hofmeister

Geschworene waren überzeugt, dass der 17-Jährige seine Ex-Freundin umbringen wollte.

feldkirch. Das Schwurgericht beschäftigte sich gestern mit einer brutalen Beziehungstat. Auslöser war Eifersucht. Der Täter ist ein 17-jähriger Lehrling aus Ludesch, der den endgültigen Schlussstrich seiner Freundin nicht verkraftete. Mitten in der Nacht läutete er bei der 18-Jährigen Sturm, drückte die Türe auf und stieß mit einem scharfen Filetiermesser 16 Mal zu. Wie durch ein Wunder wurden keine inneren Organe verletzt. Die körperlichen Wunden sind nahezu verheilt. Die psychischen sitzen tief, und auch heute kann das Opfer kaum über die Tat ihres einst geliebten Freundes sprechen.

Angst, sie zu verlieren

Dass der Bursch schwierig war, spürte die Familie des Mädchens. „Einmal wartete er um zwei Uhr nachts zitternd vor Kälte im Freien, nur um unsere Tochter abzupassen“, erinnert sich die Mutter des Opfers an die ständige Eifersucht und den Kontrollzwang des 17-Jährigen. Sie hätten mit ihm darüber gesprochen und ihm klarzumachen versucht, dass ihre Tochter es ernst mit ihm meine und keine anderen Männer habe. Doch es schien zwecklos. Wie besessen beobachtete der Jugendliche seine Angebetete, kontrollierte ihre Äußerungen auf Facebook und kundschaftete ihre Passwörter aus. „Er wollte das Mädchen nicht umbringen, sonst hätte er sie ganz und für immer verloren“, wendet sich Verteidigerin Olivia Lerch an die Geschworenen. Die Anwältin plädiert auf Körperverletzung, umbringen habe sich der Bursche höchstens selbst wollen, niemals aber seine Freundin.

Noch heute sitzt der Schock tief. Auch die Mutter und die Schwester, die zu der Messerattacke dazukamen, haben den Vorfall noch nicht verkraftet. Die Attackierte kann die Entschuldigung ihres ­Ex-Freundes nicht annehmen. „Ich glaube nicht, dass es ihm leidtut. Das hat er im Nachhinein immer gesagt, geändert hat er sich nie.“ Minutenlang bangte sie im Gang um ihr ­Leben, wollte zumindest Mutter und Schwester schützen. „Geht weg, er bringt uns alle um!“, rief sie verzweifelt. Sie wollte aufstehen, rutschte auf dem blutverschmierten Boden aus und konnte sich gegen den aggressiven Täter nicht wehren. Irgendwann ließ er von ihr ab, steckte sich eine Zigarette an und verließ dann das Haus. Die Geschworenen nahmen sich lange Zeit, entschieden sich dann einstimmig für „schuldig wegen Mordversuch“. Die Strafe legten sie gemeinsam mit den Berufsrichtern mit acht Jahren fest. Mildernd war die Unbescholtenheit, das teilweise Geständnis, die verminderte Zurechnungsfähigkeit und dass die Tat beim Versuch geblieben ist. Erschwerend war die besondere Brutalität. Der Bursch möchte sich mit seiner Verteidigerin besprechen, und auch Staatsanwalt Christoph Larcher gab vorerst keine Erklärung ab. Die Verletzte bekam 5000 Euro, Mutter und Schwester bekamen je 1000 Euro zugesprochen.

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