Freispruch für angetrunkene Lenkerin

von Christiane Eckert

68-jährige Pensionistin konnte nicht anders als Downhill-Skater auszuweichen.

feldkirch. (VN-ec) Im Oktober 2011 fährt der 19-jährige Timo M. insgesamt vier Mal mit dem Bus aufs Bödele und mit den Rollerblades wieder die Straße hinunter. Bei der letzten Talfahrt ist es bereits kurz vor 19.30 Uhr und dunkel, als der schwarz gekleidete Bursche ohne Licht bergab fährt.

Auf der Höhe des Hotels Rickatschwende setzt zur gleichen Zeit eine bergwärts fahrende Bregenzerwälderin zu einem Überholmanöver an. Der vor ihr fahrende Polo ist ihr zu langsam unterwegs. Als die Frau direkt neben dem Pkw ist, sieht sie den entgegenkommenden Skater. „Bloß keinen Frontalen“, denkt sie sich und schert im letzten Moment wieder nach rechts. Dadurch drängt sie den Polo ab, zwei Insassen werden durch den Aufprall an einem Geländer leicht verletzt.

Auch der Rollerblader landet im Straßengraben. Er bricht sich den Arm. Der junge Mann wurde damals zum Unfall befragt, kann heute aber nichts mehr dazu sagen. Er ist jener junge Mann, der im März in einem Ultraleichtflugzeug in den See gestürzt und gestorben war. Der Pilot hatte ihn zu einem Rundflug eingeladen, die Maschine stürzte wenige Minuten nach dem Start ab. Bis heute ist die Unfallursache ungeklärt.

Bezüglich des Autounfalls erläutert ein verkehrstechnischer Sachverständiger, dass man einen unbeleuchteten Skater an der betreffenden Stelle erst zwanzig bis dreißig Meter vor dem Aufprall erkennen kann. Aus technischer Sicht ist klar, dass der Frau weder ein Fahrfehler noch eine Reaktionsverzögerung angelastet werden kann.

Niedrigerer Wert gilt

Dass die Frau bei dem Unfall angetrunken war, ist für die strafrechtliche Beurteilung belanglos. Sie sagt, sie habe ein Achtel getrunken. Das scheint etwas wenig zu sein, immerhin ergab das Gutachten einen Mindestwert von 0,66 Promille. Wahrscheinlich sind 0,91 Promille, aber es geht um Sicherheit und nicht um Wahrscheinlichkeiten. Somit gilt der niedrigere Wert.

„Meiner Mandantin kann kein Fehler angelastet werden, sie hat in einem Bruchteil einer Sekunde die richtige Entscheidung getroffen“, plädiert Verteidiger Dietmar Fritz für einen Freispruch. Die Richterin spricht die 68-Jährige vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen frei. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil akzeptiert, ist noch offen.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.