Mehrerau-Prozess: Altabt Kassian Lauterer gibt Fehler zu

von Christiane Eckert
Altabt Kassian Lauterer sagte am Donnerstag vor dem Landesgericht Feldkirch als Zeuge aus. foto: vn/hofmeister
Altabt Kassian Lauterer sagte am Donnerstag vor dem Landesgericht Feldkirch als Zeuge aus. foto: vn/hofmeister

Altabt gab vor Gericht an, schon 1967 von Missbrauchsvorwurf gewusst zu haben.

feldkirch. 1982 wurde ein Mehrerauer Schüler von seinem Internatsleiter schwer missbraucht und stundenlang vergewaltigt. Dafür will das heute 46-jährige Opfer zumindest 135.000 Euro finanziellen Ausgleich. Am Donnerstag sagte nun Altabt Kassian Lauterer (78) vor Gericht aus. Die zentrale Frage lautete: Hatte er Kenntnis von Missbrauchsvorwürfen? Teilweise ja, sagt der Abt.

Das Leben des Opfers geriet nach den Übergriffen aus den Fugen; vieles verlief nicht so, wie es sich der junge Mann gewünscht hätte. Doch das Kloster will nicht zahlen. Der Prozess kreist um die Frage der Verjährung.

Der 78-jährige Altabt sagte vor Gericht aus, dass er bereits von einem Missbrauchsvorwurf gegen den Mitbruder gewusst hatte, der auf das Jahr 1967 zurückgeht. Dass dieser Pater, der als Lehrer und Erzieher tätig war, aber wegen dieses Übergriffs 1968 rechtskräftig verurteilt worden ist, habe er erst 2004 erfahren. Der Pater blieb auch nach 1968 im Amt. Ihn trotz der frühen Anschuldigungen weiter mit Jugendlichen arbeiten zu lassen, sei „aus heutiger Sicht ein Fehler“ gewesen.

1982 platzt dann die Bombe. Die Eltern eines Schülers gehen zum Abt und konfrontieren ihn mit erneuten Missbrauchsvorwürfen gegen den Pater. Was konkret passiert sei, darüber habe man nicht gesprochen. Er selber habe keinesfalls an eine Vergewaltigung gedacht, beteutert Altabt Lauterer, sondern allenfalls daran, dass Geschlechtsteile betastet oder Fotos gemacht wurden. Der Pater wurde damals aus dem Schuldienst entfernt, als Priester suspendiert und versetzt.

Antwort schuldig geblieben

Immer wieder kreisen am Donnerstag die Fragen um die berufliche Stellung des pädophilen Paters. War er leitend tätig oder hatte er wenig zu entscheiden; das ist wichtig für die Frage, ob die Ansprüche eventuell bereits verjährt sind. Ein weiterer Themenkomplex: „Wie viel wusste die Klosterleitung von Übergriffen?“ Auch dazu wurde Altabt Lauterer befragt. Als Klagsvertreter Sanjay Doshi die Frage stellt: „Waren Sie während Ihrer Amtszeit noch mit anderen Missbrauchsfällen konfrontiert?“, bleibt die Antwort aus. „Diese Frage möchte ich nicht beantworten“, sagt der Altabt.

Bislang gibt es zahlreiche Zeugenaussagen, unter anderem die des heutigen Priors Pater Vinzenz Wohlwend, die bestätigen, dass der damalige Chemie- und Biologielehrer immer wieder grob zugeschlagen hat. Wohlwend weiß von kräftigen Kopfnüssen. Ein Ex-Schüler berichtet von Schlägen mit einem Stock, bis der Stock zerbarst. Grob und gewaltbereit – dass wussten offenbar viele. Nicht jedoch Altabt Kassian Lauterer. Er sagt, dass er den pädophilen Pater lediglich auf verbale Entgleisungen angesprochen habe. Von brutalen Schlägen habe er nie Kenntnis erlangt, so Lauterer.

Bezüglich des ersten Missbrauchsvorwurfs habe er gewusst, dass der pädophile Pater 1967 einen Jungen aus dem Stadtteil Vorkloster missbraucht hatte. Der Übergriff habe im Glashaus des Klostergartens stattgefunden.

Nicht über Konkretes geredet

Auf die Frage von Richterin Birgit Vetter, ob er keine Bedenken gehabt hätte, eine solche Person weiterhin mit Jugendlichen arbeiten zu lassen, meint Lauterer: „Es war aus heutiger Sicht ein Fehler.“ Von den sexuellen Übergriffen im Jahr 1982 habe er erst erfahren, als im selben Jahr die Eltern des missbrauchten 15-Jährigen vor ihm standen und ihn damit konfrontierten. Der Prozess wird wegen weiterer Zeugeneinvernahmen Ende 2012 oder Anfang 2013 fortgesetzt.

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