Pensionist sorgte für ein „blindes“ Radar

von Christiane Eckert
Der Rentner ärgerte sich über eine Radarbox. symbolbild/apa
Der Rentner ärgerte sich über eine Radarbox. symbolbild/apa

Durch listige Aktion entgingen 20 Verkehrssünder ihrer Strafe.

bregenz. (VN-ec) Das Bezirksgericht Bregenz beschäftigte sich gestern mit einem kuriosen Fall: Weil ein Rentner sich über eine Radarstrafe ärgerte, stülpte er kurzerhand einen Karton über das Gerät. An der Landstraße in der Höhe des Bregenzer Hotels Schwärzler wird ab und zu eine mobile Radarbox aufgestellt. Sie ist schlecht sichtbar und blitzt in beide Richtungen – sehr zum Ärger vieler Autofahrer. Statt der erlaubten 30 km/h fährt auch der 70-jährige Angeklagte gerne mal etwas schneller. „Das Radar steht ganz gemein hinter einem Zaun, ziemlich gut versteckt“, gibt er gerne Auskunft. Jedenfalls war er erzürnt, weil er angeblich wegen neun km/h Geschwindigkeitsüberschreitung 25 Euro Strafe bezahlen musste. Als er an einem Sommertag einkaufen fuhr und die Box wieder sah, ließ er sie „erblinden“.

Leberkäspause

In der nächsten halben Stunde fuhren 20 Autos mit überhöhter Geschwindigkeit vorbei, zum Teil fast doppelt so schnell wie erlaubt. Das konnte die Box messen. Wer die Verkehrssünder waren, konnte sie aber nicht „sehen“. Eigentlich wird die Box von einer Zivilstreife im Auge behalten. Doch der Beamte holte sich in jener halben Stunde eine Leberkässemmel und war nicht vor Ort. Als er vom Supermarkt zurückkehrte, entfernte er den Karton und begab sich wieder ins Auto. Inzwischen war auch der Rentner wieder vom Einkauf zurück und sah, dass „sein“ Karton wieder entfernt worden war. Er nahm einen Müllsack und wollte wieder für eingeschränkte Kontrollen sorgen. Dabei wurde er auf frischer Tat ertappt. Auch wenn Richter Christian Röthlin das Verfahren mit einem Schmunzeln durchführte, an einer Strafe wegen Beweismittelunterdrückung führt kein Weg vorbei. Der Rentner muss 640 Euro zahlen, ist geständig, beteuert, so etwas nie wieder zu tun und akzeptiert das Urteil. Weil er keinen Anwalt hat, ist es jedoch nicht rechtskräftig.

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