Neoliberale Wanderschaft

Weltweit haben die Staaten mit Freihandelsverträgen ihre Märkte für Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr ohne soziale und ökologische Mindeststandards geöffnet, teils unter Zwang des Internationalen Währungsfonds bei Kreditzusagen. So wandert das Kapital in jene Länder, wo die Produkte unter sklavenähnlichen Bedingungen, oft durch Subunternehmer, billigst erzeugt werden können und weder Arbeiterrechte noch Umweltschutz herrschen. Die Waren gehen dann auf umweltschädliche „Wanderschaft“ mit Containerschiffen und Lastzügen von den Billigproduktionszentren aus Fernost zu den „westlichen Märkten“, wo sie mit hohen Marken-Werbekosten und Gewinnmargen teuer verkauft werden. Tiere aus EU-Ländern erleiden weite Transportwege. Innerhalb der EU drängen die Arbeiter in Mitgliedsstaaten, wo es Arbeit gibt, entweder als Scheinselbständige oder mittels Betrieben, die die Löhne drücken, um angeblich konkurrenzfähig zu sein. Da sind auch willfährige Einwanderer, Frauen und Arbeitslose diesem Lohndumping dienlich. Die Lohnspirale nach unten ist im Gang, Armut wächst. „Pendler“ aller Art und Entfernung vom Arbeitsplatz reißen Familien auseinander, Arbeit in einem fremden Land dient dem bloßen Gelderwerb, Muttersprache und Tradition müssen geopfert werden, zwecks „Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt“, während Heimweh zehrt. Solche Mobilität bedeutet oft Heimatverlust. Dieses System ist aber krisenanfällig, wenn selbst wegen eines kleinen Krankheitserregers die in China produzierten Medikamente, Operationsmasken und Fahrzeugbestandteile hier nicht mehr ankommen.

Dr. Dietmar Loy, Schwarzach

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