Kalte Progression

Zum VN-Artikel über die kalte Progression vom 22. April:

Hier steht die übliche Begründung der „kalten Progression“, dass durch Lohnerhöhungen immer mehr Arbeitnehmer in höhere Steuerklassen vorrücken und deswegen mehr Steuern zahlen müssen. Das ist totaler Unsinn, denn auch ohne Vorrücken in eine höhere Steuerklasse zahlt man mehr Steuern. Kommt man tatsächlich in eine höhere Steuerklasse, dann zahlt man bekanntlich (?) nur für die Differenz zum Grenzsteuer­satz den erhöhten Steuersatz, der Unterschied im ausschlaggebenden mittleren Steuersatz ist bei den heute üblichen Lohnerhöhungen gering. Beispiel knapp unter dem höchsten Grenzsteuer­satz von 50 Prozent ab 60.000 Euro: Monatslohn 4250 Euro, Bruttojahreseinkommen 59.500 Euro, netto (nur Lohnsteuer) 36.512 Euro, mittlerer Steuersatz 38,64 Prozent. Zwei Prozent Erhöhung des Monatslohnes auf 4335 Euro: Bruttojahres­einkommen 60.690 Euro, netto (nur Lohnsteuer) 37.119 Euro, mittlerer Steuersatz 38,84 Prozent, Nettoerhöhung nur 1,66 Prozent. „Kalte Progression“ bedeutet vielmehr, dass bei einem Inflationsausgleich von z. B.
zwei Prozent weniger als zwei Prozent beim Nettoeinkommen übrig bleiben, für die Lebenshaltungsaufwendungen also weniger zur Verfügung steht als im Vorjahr. Abhilfen wären eine Verschiebung der Grenz­steuersätze bei gleichbleibenden Steuersätzen oder eine Verringerung der ­Steuersätze bei gleichbleibenden Grenzsteuersätzen. Beide Maßnahmen sind schwierig, da die Änderungen vorausschauend auf die Lohnerhöhungen des laufenden Jahres bekannt sein müssten und die Auswirkungen je nach Einkommen stark unterschiedlich wären.

DI Dr. Bernd Oesterle,
Torggelgasse 13, Hard

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