Kommentar

Walter Fink

Hubert Berchtold fehlt

Lange ist es her, dass im Hof auf dem Bregenzer Gebhardsberg ein sogenannter Feldaltar mit einem Riesengemälde, einem Triptychon aus dem Jahre 1952, von Hubert Berchtold stand. Der Altar, der nur zu Gottesdiensten geöffnet wurde, nahm durch das Wetter Schaden und wurde schließlich gerettet, indem er aus dem Außenbereich entfernt wurde. Heute findet man diese interessante Arbeit in der Kirche St. Gebhard in Bregenz, wo sie nach der Neugestaltung des Altarraumes durch Architekt Christian Lenz 2011 sehr schön im Altarraum steht. Sicher ist das frühe Bild von Berchtold hier besser aufgehoben als am Gebhardsberg, sicher ist es hier besser zugänglich, weil immer zumindest im geschlossenen Flügelaltar zu besichtigen – und trotzdem finde ich es schade, dass dieses Kunstwerk aus dem öffentlichen Raum entfernt wurde.

Im Jahre 1974 wurde in Bregenz das neue städtische Krankenhaus eröffnet, das nicht nur einen medizinischen Meilenstein brachte, sondern auch eine neue Präsenz von Kunst in und an einem öffentlichen Gebäude darstellte. Verantwortlich dafür war der Bregenzer Kulturamtsleiter Oscar Sandner, der eine Skulptur von Herbst Albrecht im Außenbereich und eine Konstruktion von Hubert Berchtold im Foyer und dazu die Gestaltung der Kapelle von Heinz Greissing in Auftrag gab, für die Ausgestaltung der Räume wurden Bilder von Vorarlberger Künstler in bis dahin kaum gekanntem Ausmaß angekauft. Nach der Übernahme und dem Neubau durch das Land steht Albrecht noch heute, ebenso hat das Land die Kapelle von Greissing mustergültig restaurieren lassen. Verschwunden sind allerdings viele Bilder und vor allem Hubert Berchtold – und niemand konnte mir bisher sagen, wohin.

Und nun steht die dritte große öffentliche Arbeit von Hubert Berchtold in Bregenz vor der Zerstörung. Das 1983 eröffnete Hallenbad soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. Ich fürchte, dass damit auch eine der letzten Arbeiten von Berchtold – er starb am 1. Dezember 1983 – untergehen wird. Es ist eine besondere, die ganze Wand füllende Arbeit, jede einzelne Kachel hat Hubert Berchtold – wesentlich beeinflusst durch seine spanischen Aufenthalte – selbst bemalt. „Die Dimension des Kunstwerks ist auch Jahrzehnte nach seiner Entstehung in weitem Umkreis einmalig“, steht im Lexikon „Kunst und Bau in Vorarlberg nach 1945“. Das gilt auch noch heute – und trotzdem sind keine Bestrebungen erkennbar, dass dieses Kunstwerk gerettet werden könnte. Und so wird – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – eine wichtige, eine große Arbeit von Hubert Berchtold unrettbar vernichtet werden.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

„Und so wird – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – eine wichtige, eine große Arbeit von Hubert Berchtold unrettbar vernichtet werden.“

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