Ein prachtvoller Leerstand

von Christa Dietrich
Die Ausstellung zu Feldkirch 800 wurde ins Jahr 2019 verlängert, seitdem sind die Räume ungenutzt. VN/KH

Die Ausstellung zu Feldkirch 800 wurde ins Jahr 2019 verlängert, seitdem sind die Räume ungenutzt. VN/KH

Das Feldkircher Palais Liechtenstein ist eineinhalb Jahre ungenutzt. Was nach Wolf Huber kommt, ist ungewiss.

Feldkirch Im Jahr 2018 wurde die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Feldkirch vor damals 800 Jahren auch mit einer großen Ausstellung im Palais Liechtenstein gefeiert. „Von Hugo bis dato“ war derartiges Besucherinteresse beschieden, dass man die Jubiläumsschau gleich noch bis in den Herbst des Folgejahres hineinlaufen ließ. Mittlerweile könnte man meinen, dass die außergewöhnlich lange Verlängerung auch damit zu tun hatte, dass man sich sozusagen bis dato viel zu wenig Gedanken darüber gemacht hat, wie das für das Jubiläum architektonisch adaptierte Palais Liechtenstein weiterhin zu nutzen wäre. Die Ausstellungsräume sind nämlich immer noch leer. Bis zum nächsten geplanten Projekt werden gut eineinhalb Jahre der Nichtnutzung vergangen sein und ein mittel- bis längerfristiges Konzept für die Zukunft ist noch nicht in Sicht. Mit dem Coronavirus allein lässt sich wohl nicht begründen, dass sich in Feldkirch der prächtigste Leerstand des Landes befindet.

Das Palais ließ der einstige Fürst von Liechtenstein im 17. Jahrhundert als Amtshaus errichten, danach wechselten Besitzer und Verwendung, bis es die Stadt Feldkirch in den 1960er-Jahren erwarb. Abgesehen von der logischen Nutzung als Archiv und Bibliothek wurde es von den letzten zwei bis drei Generationen von Kulturinteressierten mit Wechselausstellungen in Verbindung gebracht.

Neudefinition des Ortes

Man ging ins Palais und konnte darauf vertrauen, mit Kunst konfrontiert zu werden, die einen gewissen Qualitätslevel nicht unterschreitet. Zuständig dafür war das Kuratorium Palais Liechtenstein, das nun auch nach den 800-Jahr-Feiern nicht mehr dort einziehen kann, wo es sich einen guten Ruf erarbeitete. Abgesehen von einer Glasvitrine am Jahnplatz, die man dem Kuratoriumsvorstand um Markus Keel, Harald Gfader und Arno Egger zur Bespielung zuwies, gibt es neben der Johanniterkirche, die aufgrund einer privaten Initiative zur Kunstplattform wurde, im Zentrum von Feldkirch ansonsten keinen Ort für zeitgenössisches Kunstschaffen. Kulturamtsleiter Harald Petermichl erklärte im Gespräch mit den VN, dass der Auszug aus dem Palais im Jahr 2017 in bester Absprache mit dem Kuratorium erfolgte. Harald Gfader erinnert sich an einen Anruf, nach dem man das Lager in wenigen Stunden zu räumen hatte. Man sei, so Gfader, gut genug gewesen, das Werk über Jahrzehnte aufrechtzuerhalten, konstruktive Gespräche zur „Neudefinition“ des Ortes, die laut Petermichl ins Auge gefasst wurde, habe es in den letzten Jahren nicht gegeben. Gfader will auch nicht mit persönlichem Unmut an die Öffentlichkeit treten, er bedauere es schlicht und einfach, dass erstens ein derart schöner Ort brach liegt und dass sich zweitens die Erstellung eines Nutzungskonzeptes derart lange hinzieht.

Wolf Huber

Nachdem heuer wieder ein kleines Jubiläum ansteht, nämlich die Erschaffung des Annenaltars vor 500 Jahren durch den aus Feldkirch stammenden Künstler Wolf Huber (1485-1553), wird das Ausstellungsvakuum zumindest durch eine historische Schau unterbrochen. Der im Dom befindliche Annenaltar selbst wird in ein besseres Licht gerückt, im Palais kümmert sich Stadtbibliothekar Hans Gruber um Arbeiten, Skizzen und Dokumente, für die er seit Monaten mit verschiedenen Institutionen in Verbindung steht. Harald Petermichl spricht von einem begleitenden Symposium und einem interreligiösen Dialog, den man zu veranstalten gedenkt. Auch ein Kompositionswettbewerb wird ausgeschrieben. Dialog scheint überhaupt ein wichtiger Begriff zu sein, denn Petermichl verwendet ihn auch im Zusammenhang mit einer vagen Aussicht auf die Zukunft. Denn an sich sollen im Palais einmal Geschichte und Gegenwart aufeinandertreffen. Wie und wann? „Wir müssen schauen, wohin sich das Palais entwickelt“, meint Petermichl vorerst.

<p class="caption">Wolf Huber wird heuer präsentiert.  TAS</p>

Wolf Huber wird heuer präsentiert.  TAS

<p>War Kunstzentrum: Palais Liechtenstein.</p>

War Kunstzentrum: Palais Liechtenstein.

„Wir sind gut genug gewesen, das Werk jahrzehntelang aufrechtzuerhalten.“

„Das Nutzungskonzept ist weit gediehen, es ist aber ein langer aufwendiger Prozess.“

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