VN-Interview. Christine Schneider (39), Sopranistin, Pädagogin

Die Briefchristel öffnete Türen

von Fritz Jurmann
Christine Schneider in der Produktion „Die lustige Witwe“ von Lehár bei der Unterhaltungsgruppe Ludesch.  Schmidt

Christine Schneider in der Produktion „Die lustige Witwe“ von Lehár bei der Unterhaltungsgruppe Ludesch.  Schmidt

Das Musiktheater ist neben dem Konzertieren und Unterrichten ihre große Leidenschaft.

Thüringen Mit 14 schnupperte sie im „Weißen Rössl“ erstmals Theaterluft, unter dem Dirigat ihres Mentors Harald Hronek in Ludesch. Diese Faszination hat Christine Schneider geprägt und zum gefragten Stammgast an den Bühnen der Region werden lassen. Daneben unterrichtet sie eine Gesangsklasse und verblüfft in Konzerten durch ihre Vielseitigkeit von Barock bis Jazz.

 

Der Gesang war Ihnen von frühester Kindheit vorbestimmt?

SCHNEIDER Schon als kleines Mädchen habe ich immer gern gesungen. Der Gesang war einfach meine „Muttersprache“, wie ich sie heute als Lehrerin meinen kleinen und großen Sängern weitergebe.

 

Zuerst kamen aber Ihre eigene Ausbildung und Ihre Entdeckung als Bühnentalent?

SCHNEIDER Ich besuchte die Musikhauptschule Thüringen, wo der dortige Direktor Harald Hronek auf mich aufmerksam wurde. Seine Unterhaltungsgruppe Ludesch mit ihren erfolgreichen Operettenproduktionen auf Amateurbasis wurde für mich zum ersten künstlerischen Zuhause, wo ich verschiedene Rollen ausprobieren und dabei reifen konnte.

 

Ludesch wurde dann für Sie auch zum Sprungbrett ins professionelle Fach?

SCHNEIDER 2009 wurde ich in Ludesch in Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“ die Briefchristel, vor der ich zunächst großen Respekt hatte, die sich aber dann als Türöffner erweisen sollte. Es folgten wunderbare Angebote, etwa 2010 am Musiktheater Götzis die Mi in Lehárs „Land des Lächelns“ als eine meiner Lieblingsrollen, mit der Papagena in Mozarts „Zauberflöte“ am Landestheater die erste Oper an einer Profibühne und die Juliette in Lehárs „Graf von Luxemburg“ in Balzers. 2015 übernahm ich mit Freude die Hauptpartie in Lehárs „Die lustige Witwe“ wieder in Ludesch.

Von wem haben Sie Ihre Gesangs- und Bühnenausbildung erhalten?

SCHNEIDER Da war zunächst Renate Ess an der Musikschule Feldkirch, die für mich menschlich und sängerisch bis heute eine sehr wertvolle Begleiterin in meiner Laufbahn wurde. Bei Ingeborg Dobozy am Konservatorium habe ich das IGP-Studium im Konzertfach abgeschlossen, ab 2008 hat mich Barbara Daniels-Wiedner gecoacht.

 

Was sind Ihre Grundsätze, wenn Sie Kinder und Erwachsene unterrichten?

SCHNEIDER Ich empfinde das Lehren als sehr erfreuliche Tätigkeit, da es um den Menschen als Ganzes geht. Mein Ziel ist es, den persönlichen, gesunden und natürlichen Stimmklang eines jeden Schülers zu entdecken und zu fördern.

 

Inwieweit waren Sie bei Ihrem Unterricht von den Einschränkungen durch Corona betroffen?

SCHNEIDER An der Musikschule Feldkirch arbeite ich in einem sehr guten Klima mit tollen Kollegen, wo durch Maßnahmen der Direktion trotz Corona ein guter und sicherer Unterricht möglich ist. Ich arbeite mit Video und Audiofiles und komme zum Singen quasi ins Wohnzimmer der Schüler. Vor den Ferien haben wir uns via Zoom zum Singen getroffen, und ich erhalte von den Eltern und Schülern große Wertschätzung für diese Mühen, wenn sie auch mit der persönlichen Begegnung niemals zu vergleichen sind. Die größten Einschränkungen gab es bei meinem Kinderchor. Da haben wir Singen mit Maske probiert, Einzelstimmbildung angeboten und sind aufgrund der Abstandsregeln zum Singen in die Tiefgarage oder mit Kerzen ins Freie.

 

Sie pflegen bei Ihren Auftritten noch eine zweite Schiene im Lied und Oratorium. Was liegt Ihnen mehr?

SCHNEIDER Vielleicht ist das schlichter und ehrlicher als eine Musiktheaterproduktion, wo man sich doch ein bisschen hinter Kostüm und Maske „verstecken“ kann. Aber ich versuche auch bei Liederabenden verschiedene Stile einander gegenüberzustellen, diese Vielseitigkeit ist mir wichtig.

 

Zurück zum Musiktheater, Ihrer großen Leidenschaft. Was ist es konkret, was Sie dabei fasziniert?

SCHNEIDER Es ist das Gefühl, sich mit einer Rolle auseinanderzusetzen, in sie hineinzuwachsen. Es ist auch das Zusammenspiel der Sänger und Musiker, das turbulente Leben hinter der Bühne, woraus meist ein intensives Miteinander entsteht, was ich als große Inspiration empfinde.

 

Ist man da traurig, wenn das nach einer solchen Produktion wieder auseinandergeht?

SCHNEIDER Ja, aber nach einer gelungenen Aufführungsserie erneut engagiert zu werden, empfinde ich auch jedes Mal als großes Kompliment. So war das in Götzis beim Musiktheater 2013 mit der Titelpartie in der „Csardasfürstin“ von Kálmán und 2016 in der Produktion von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ der Fall, ebenso in Balzers, wo ich 2014 in Millöckers „Gasparone“ und 2018 in Lehárs „Die lustige Witwe“ engagiert war und eben erst wieder für 2022 als Annina in der Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig“ verpflichtet wurde. Nach den vielen Konzertabsagen durch Corona schätzt man ein solches Engagement umso mehr.

Zur Person

CHRISTINE SCHNEIDER

Geboren 1981 in Feldkirch

Tätigkeit Zahlreiche Rollen in Musiktheaterproduktionen am Landestheater, in Balzers, beim Musiktheater Götzis; Konzerte im Bereich Lied, Oratorium und Unterhaltung bis zum Jazz

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