Weil ansonsten keine Einkünfte da sind

von Christa Dietrich
Die Aktion „Kunst hilft Kunst“ bietet Auftrittsmöglichkeiten ohne Publikum vor Ort, das aber digital teilhaben kann.  weber

Die Aktion „Kunst hilft Kunst“ bietet Auftrittsmöglichkeiten ohne Publikum vor Ort, das aber digital teilhaben kann.  weber

Vorarlberger Kulturschaffende schufen Selbsthilfeprojekte, weil die Maßnahmen der Politik oft doch nicht greifen.

Sulz, bregenz  Den „Kopfurlaub“, den Armin Weber den Menschen ermöglichen will, werden sie in den nächsten Wochen ohnehin dringend brauchen. Der neben seinem Brotberuf noch als Schauspieler, Kulturvermittler und Gründer des Unternehmens Theatermobil tätige Vorarlberger, möchte, dass das Publikum die Corona-Sorgen auch einmal ausblenden kann. Für Künstler, also Musiker, Schauspieler, Kabarettisten und Autoren bleibt das Thema präsent, weil es um ihre Existenz geht.

Auch wenn die neue Lockdownverkündung am Freitag erst wenige Stunden nach dem Gespräch mit Armin Weber erfolgte, stand für Menschen mit einigermaßen funktionierender Sensorik im Raum, dass es noch sehr lange dauern wird, bis Auftritte wieder möglich sind und dass die Öffnung der Kultur trotz strikt ausgearbeiteter und erprobter Präventionskonzepte wohl erneut weit hinter alle anderen Branchen gereiht wird. Abgesehen davon, dass das Publikum auf Konzerte und Theater verzichten muss, haben die Künstler weiterhin keine Einkünfte, lautet die dramatische Schlussfolgerung.

Kritik an Budgetkürzung

Was Weber mit seinem Team im Rahmen von „Kunst hilft Kunst“ anbietet, sind Auftrittsmöglichkeiten. „Bei der ersten Phase von März bis Juni haben wir viel gelernt und die Technik ausgebaut“, erzählt er. Mittlerweile sei man ein eingeschworenes Team, lade wöchentlich ins Theatermobil in Sulz, zeichne die Auftritte auf und stelle sie zur Verfügung. Zwei weitere Faktoren sind wichtig: Erstens erhalten die Künstler eine kleine Gage, zweitens kommen mittlerweile Geldmittel über Spenden herein oder beispielsweise über eine Aktion des bildenden Künstlers Helmut King, der dem Theatermobil Sujets spendierte, die Absatz finden. Was die Musik betrifft, spannt sich der Bogen nicht nur über Pop, Rock und Jazz, zum 250. Geburtstag von Beethoven bot Klaus Christa jüngst ein entsprechendes Programm. Was die Politik betrifft, die zwar Unterstützungsprojekte anbietet, allerdings nicht in dem Ausmaß, dass sie wirklich alle greifen, nimmt sich Armin Weber kein Blatt vor den Mund. Einiges sei blauäugig und mit der Kürzung des Kulturbudgets haben man ein falsches Zeichen gesetzt: „Sie ist vermeidbar“.

Diese Meinung vertritt auch Maria Simma. Die Präsidentin der Berufsvereinigung bildender Künstler in Vorarlberg ist Mitinitiatorin der Aktion locart. Noch im Frühjahr wurde ein Verein gegründet, um Spendengelder zu sammeln. Kulturschaffende konnten um Unterstützung ansuchen. Wer immer noch der Meinung ist, dass die Überbrückungsaktionen der Politik angesichts prekärer Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich nun vieles abfedern, wird im Gespräch mit Simma eines Besseren belehrt. Schon der Betrag von rund 500 Euro, der den einzelnen Antragstellern bei der Aufteilung der gesamten Summe zukam, wurde dringend benötigt, um über die Runden zu kommen. Mit Hilfsaktionen wie beispielsweise jener der Firma Höttges wird die Spendensammeltätigkeit von locart nun erweitert.

Die Initiative Kunst hilft Kunst (theatermobil.jimdo.com; kunsthilftkunst.at) ist aktiv, der Verein locart (locart.at) hat die Geldsammlertätigkeit wieder aufgenommen.

„Es wird immer noch übersehen, dass Kulturschaffende jetzt enorm leiden.“

„Die Kulturbudgetkürzung ist vermeidbar und ein Zeichen, das man nicht setzen sollte.“

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