Charakterköpfe, weise Häupter und Dickschädel

von Ariane Grabher
Köpfe sind ein klassisches Thema. Dass sich auch innerhalb dieses gesetzten Rahmens jung und wild agieren lässt, beweist Linus Barta.  AG

Köpfe sind ein klassisches Thema. Dass sich auch innerhalb dieses gesetzten Rahmens jung und wild agieren lässt, beweist Linus Barta.  AG

Linus Barta präsentiert Arbeiten in der Galerie von Isabel Sandner.

BREGENZ Köpfe sind ein klassisches Thema in Malerei und Kunstgeschichte. Dass sich auch innerhalb dieses gesetzten Rahmens jung und wild agieren lässt, beweist der Vorarlberger Linus Barta. Der 33-jährige Künstler, der 2019 in der Kategorie Malerei für den Kulturpreis Vorarlberg nominiert war, ist derzeit mit neuen Arbeiten in Isabel Sandners Galerie in Bregenz zu Gast.

Neben aufwendig hergestellten, auf Fotos und Überarbeitungen basierenden Lithografien und einer Skulptur aus Backsteinen, die fast Camouflage-artig mit der rohen Ziegelwand in der Galerie verschmilzt, zeigt Linus Barta Ausschnitte aus seinem jüngsten malerischen Schaffen.

Farbe ist Material

Unübersehbar das Faible des Künstlers, der auch Musiker und Komponist ist, für Gesichter, Köpfe, Typen und Charaktere. Ebenso offensichtlich sein Gespür für Farbe, die Material ist und in der er förmlich schwelgt. Seine Palette lebt zumeist von gedämpften und pudrigen Tönen und hat etwas von einem nebligen Tag am See. Was kein Zufall ist, denn eine Vierer-Serie von Arbeiten ist mit „Bootshaus“ betitelt, was ihren Entstehungsort in Klein Venedig in Fußach bezeichnet. Ohne Skizze oder Vorzeichnung malt der Künstler frei Schnauze drauf los. Ölfarbe, direkt aus der Tube, selbst gemischte Pigmente, pastose Stellen, flüssige Malerei mit Terpentin: auch das Material arbeitet mit, chemische Reaktionen und Überraschungen während des Trockenprozesses sind erlaubt und erwünscht. „Ölfarbe ist ein Werkstoff wie eine Galaxie. Es tut sich immer wieder ein neuer Kosmos auf“, sagt Linus Barta. Gerne malt er im großen Format, daneben aber auch auf gerade einmal 20 mal 20 Zentimeter kleinen Miniaturen, wie in der vielteiligen Reihe der „Kopfstudien“. Köpfe, Gesichter, beschäftigen Linus Barta seit seinen künstlerischen Anfängen. Archaisch wirkende Charakterköpfe, weise Häupter und andere Dickschädel treiben ihn um. Dafür lässt er alles stehen und liegen. Um Porträts handelt es sich dabei höchstens, wenn überhaupt, im aller-, allerweitesten Sinn.

Ein bestimmtes Milieu

Vielmehr spielen die „Nebengeräusche“ des Lebens mit hinein in diese Malerei, die von Leichtigkeit und Schwere zu gleichen Teilen geprägt ist: Die Musik (Rap, Jazz, experimentelle elektronische Musik), die er während des Arbeitens hört, der Briefträger, der den Malprozess mit seinem Klingeln unterbricht, das gerade verspeiste Mittagessen und vor allem die Kunstbücher, die ihn beim Malen umgeben, erzeugen ein bestimmtes Milieu. Referenz-Hascherei sei nicht sein Ding, sagt Linus Barta, aber die Kenntnis der Geschichte der Malerei, das Wissen um das schon Dagewesene, habe mit Wertschätzung zu tun. Marlene Dumas, Francis Bacon oder Jonathan Meese sind KünstlerInnen, die ihn begeistern.

An seinen Bildern mag er, dass er sie nicht schöner machen muss, als sie sind. Die Ränder zeugen vom langen Arbeitsprozess und den vielen Farbschichten, das Abdriften ins beinah Abstrakte ist ebenso legitim wie das Figurative.

„Neumond“ heißt ein großes Format auf dem neben einem auf einem Stuhl sitzenden Mann eine schmale Mondsichel zu sehen ist. Während der Körper des Sitzenden mit nur wenigen Pinselstrichen umrissen ist, hat Linus Barta das von einem Bart und krausem Haar umrahmte Gesicht ungleich differenzierter gestaltet. Gleich daneben und ebenso vieldeutig eine leuchtend orange Fahne mit der portugiesischen Aufschrift „Filhos do Oceano“ (Kinder des Meeres). Vielleicht ist auch Linus Barta ein Sohn des Meeres, ist er doch mit seinem Wohnmobil von Portugal über Berlin bis Wien und Bregenz unterwegs.

Die Ausstellung ist in der Galerie, Kirchstraße 29, Bregenz, bis 12. Februar geöffnet, Mi bis Fr, 16 bis 19 Uhr. Geänderte Öffnungszeiten auf Website: galerie-bregenz.com

Zur Person

Linus Barta

bildender Künstler und Komponist

Geboren 1987 in Bregenz

Ausbildung Studium der Philosophie in Wien, Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien (Daniel Richter, Marina Grzinic), Akademie der bildenden Künste Leipzig

Laufbahn Ausstellungen in Vorarlberg, Wien, Berlin, Leipzig, London

Wohnort Berlin und Vorarlberg

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