Ein bisschen Licht tut ohnehin not

von Ariane Grabher
Alois Galehr betont die Nachhaltigkeit des künstlerischen Tuns, sein Auskommen mit dem, was eh schon da ist.  AG

Alois Galehr betont die Nachhaltigkeit des künstlerischen Tuns, sein Auskommen mit dem, was eh schon da ist.  AG

Alois Galehr bespielt das Koblacher Zollhaus mit Witz und gefundenem Material.

KOBLACH Alois Galehr ist einer, der aus dem Überfluss des Vorhandenen schöpft. Dinge, die ausrangiert werden und liegen bleiben, von der Konsumgesellschaft benutzt und wieder ausgespuckt, ziehen ihn magisch an. So ist der Vorarlberger Künstler, dessen Leidenschaft bunte Kartons und Schachteln sind, die er sammelt, filetiert und archiviert, um sie zu Skulpturen und Objekten zu verarbeiten, vor fast 20 Jahren auch zu einer Reihe von Lichtsteinen gekommen. 15 dieser ausgedienten, aber noch funktionierenden, für den Müll vorgesehenen Leuchtbuchstaben, hat Alois Galehr damals am Straßenrand in Vaduz entdeckt, in sein Auto gepackt und mit einer Bescheinigung der Gemeinde Vaduz, die die Wertlosigkeit der Objekte bestätigt, über die Grenze gebracht. Seither tauchen diese Lichtsteine aus Liechtenstein immer wieder in seinem Werk auf, flackern in einer Ausstellung kurz auf, um dann wieder im Keller des Künstlers zu verschwinden. Aktuell führt die „Odyssee der Lichtsteine“ ins alte Zollhäuschen in Koblach, das als ZollART seit einigen Monaten vom Verein KunstVorarlberg als ganzjähriger, nur von außen einsehbarer Schauraum bespielt wird.

Grenzwächter mit Zipfelkappe

Elf Lichtsteine hat Alois Galehr im Zollhaus über- und nebeneinander drapiert, ohne dass die Buchstaben ganz sichtbar wären oder einen Sinn ergeben. Das Ergebnis, nahe am winterlichen Rhein, hat beim Künstler Assoziationen an die aufragenden Eisschollen im Gemälde „Eismeer“ von Caspar David Friedrich wachgerufen, das er als Druck, überarbeitet und in der Galehr‘schen Version zeigt. Analog zum Wrack im Original positioniert Galehr sein altes Fahrrad, das er als 10-jähriger Bub von seinem Vater geschenkt bekommen hat, inmitten der kühl leuchtenden Lichtschollen. Auch der Drahtesel, mehr als 50 Jahre alt, ist mittlerweile ein Wrack, findet aber verrostet und verschlissen wieder Verwendung. Für Alois Galehr, dessen Werke stets eng mit seiner persönlichen Geschichte verbunden sind, schließt sich damit nicht nur der Kreis in der Ausstellung sinnfällig. Vor dem Hintergrund der längst obsolet gewordenen biblischen Weisung „Macht euch die Erde untertan“ betont er die Nachhaltigkeit seines künstlerischen Tuns, sein Auskommen mit dem, was eh schon da ist. Und nebenbei tut ein bisschen Licht gerade in dieser Zeit auch not. Dass im ehemaligen Zollhaus noch immer alles seine Richtigkeit hat, darüber wacht ein Zwerg. Von Galehr aus einem Birnbaumstamm geschnitzt, trägt der „Zwerg für alle Fälle“ die Zolldokumente für die Lichtsteine auf seinem Rücken, während er mit Red Ribbon, Taucherbrille und Fernglas bewehrt den Blick über den Rhein wirft und wie ein Grenzwächter amtet. Die humorvolle Note des Wichtels wird im Untertitel konterkariert: „Der Zwerg in mir“ verweist in Anlehnung an Karl Kraus‘ lange Schatten werfenden Zwerge auf das Nicht-Vorhersehbare, auf das, was in Extremsituationen in der Tiefe der menschlichen Seele passiert.

Die Ausstellung „Odyssee der Lichtsteine“ ist im alten Zollhäuschen, Falle 10, in Koblach, vom 13. Dezember bis 28. Februar einzusehen.

Zur Person

Alois Galehr

Objektkünstler

Geboren 1955 in Feldkirch

Ausbildung seit 30 Jahren autodidaktische Beschäftigung mit Kunst und nachhaltiger Kunst-Produktion

Laufbahn Ausstellungen und Beteiligungen in Österreich, Schweiz, Deutschland, Mitglied KunstVorarlberg

Auszeichnungen u.a. Josef Binder Award für „Alois Galehr, Bananorama“

Wohnort Nenzing und Vandans

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