Die Voraussetzungen sind hart

von Christa Dietrich
Das bislang entfallene Rahmenprogramm zum Projekt „Geburtskultur“ wird nach Möglichkeit nachgeholt.  VN/PS

Das bislang entfallene Rahmenprogramm zum Projekt „Geburtskultur“ wird nach Möglichkeit nachgeholt.  VN/PS

Frauenmuseum Hittisau steht mit großem Thema Geburt vor großen Herausforderungen.

Hittisau Das Projekt ist umfangreich, das Thema Geburt betrifft jeden, die Ausstellung wurde über Monate vorbereitet und konnte im Zeitfenster nach dem Frühjahrslockdown und vor den Museumsschließungen im Herbst eröffnet werden. Nachdem im derzeitigen Coronalockdown mit dem Handel zumindest auch die Museen und Ausstellungshäuser wieder aufsperren dürfen, kann auch das Frauenmuseum Hittisau ab Mittwoch wieder besucht werden. Stefania Pitscheider Soraperra, die Leiterin der einzigen Einrichtung dieser Art in Österreich, bezeichnet es als kleinen Bonus, dass die Ausstellung „Geburtskultur“ auf eine längere Dauer hin angelegt war, womit Besuchern noch ausreichend Möglichkeit bleibt, sich mit dem Projekt zu befassen. Zudem werde sie versuchen, jene Veranstaltungen im Rahmenprogramm, die nun entfallen mussten, nachzuholen. Sie plädiert in gewisser Weise ohnehin für eine Entschleunigung. Man müsse auch im Kulturbereich nicht ständig Neues produzieren, und gerade das aktuelle Projekt verlange die Vertiefung ins Thema. Der Komplexität der Thematik entsprechend wird in Hittisau auch auf die Tabuisierung und Ideologisierung der Geburt verwiesen, die Ausstellung enthält historische Rückblicke und bezieht Erzählungen und Meinungen von Besuchern mit ein.

Verhandlungen notwendig

Ein architektonisches Projekt bündelt die Bedürfnisse von Gebärenden und Erfahrungen von Hebammen. Dass der unweit des Museumsgebäudes errichtete „Raum für Geburt und Sinne“ allein über Spenden finanziert werden konnte, könnte dem Museum zum Verhängnis werden. Das Engagement von Privatpersonen, die das Projekt ermöglichten, wird dem Unternehmen als Zusatzeinnahmen angerechnet. Die Direktorin setzt deshalb auf den entsprechenden Verlauf von Nachverhandlungen. Mit der Summe, die das Frauenmuseum vom Land Vorarlberg und der Gemeinde erhält, kommt man gerade durch, kann sich eine 65-Prozent-Anstellung sowie eine zusätzliche Halbtagskraft leisten, die man dringend braucht.

Internationale Konferenz

Das Frauenmuseum Hittisau besteht seit 20 Jahren, es hat sich mit Projekten etabliert, ist international bestens vernetzt, die in Vorarlberg erstellte Ausstellung „Geburtskultur“ wird beispielsweise nach Italien weitergeleitet, man hat im Lockdown rascher als manche großen Häuser digital Projekte angeboten und ist in der Region gut verankert. Im kommenden Jahr wird sich die Strahlkraft noch erweitern. Geplant ist, die Konferenz der weltweit tätigen Frauenmuseen in Hittisau abzuhalten. Dabei wird auch ersichtlich, in welchen Ländern bei Engagement für die Geschichte von Frauen noch Repressionen bis hin zu Gefängnisstrafen drohen.

„Die neue Ausstellung ist zum Glück lange offen. Es ist wichtig, in die Tiefe zu gehen.“

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