Kommentar

Walter Fink

Not lehrt auch heute beten

Es scheint, dass die Verantwortlichen im vorarlbeg museum einen guten Riecher hatten: Vor einer Woche wurde vor vollem Haus die Ausstellung „Die 14 Nothelfer – das himmlische Versicherungspaket“ eröffnet. Damals war Corona auch schon ein Thema, aber da meinten doch noch viele, dass die Dinge vielleicht nicht so heiß gegessen würden, wie sie gekocht werden. Das hat sich als Irrtum herausgestellt. Die Dinge werden inzwischen noch heißer serviert, als sie gekocht werden. Und wir müssen sie schlucken, ob wir wollen oder nicht. Aber es gibt ja die 14 Nothelfer, die im Museum gezeigt werden. Noch können wir die Ausstellung besuchen – und wenn das Museum geschlossen wird (was anzunehmen ist), dann besuchen wir sie eben in Publikationen. Zum Beispiel im erstklassigen Katalog zur Ausstellung, für den Markus Hofer von der Diözese Feldkirch und Museumsdirektor Andreas Rudigier verantwortlich zeichnen.

In früheren, aber doch noch nicht so lange entschwundenen Zeiten, waren die Nothelfer nahezu allgegenwärtig. Die Menschen wussten noch, welcher Heilige für welches Leiden zuständig war, wenn sie es nicht genau wussten, dann nahmen sie eben ein ganzes Bündel der Helfer oder gar alle 14 Nothelfer – da konnte man nichts falsch machen. Vor allem: Alle Nothelfer waren für alle Menschen zuständig, jeder konnte sie anrufen. Kein Geld war notwendig, nur Glaube und Gebet. Doch gerade jetzt, da die Kirchen wegen Corona zusperren, nimmt man eine verstärkte Hinwendung zur Religion wahr. Not lehrt eben auch heute noch beten.

Von den 14 Nothelfern kann man vor allem zwei in unseren Corona-Zeiten anrufen. Der eine ist Blasius, der andere Pantaleon. Beide Namen stammen – wie bei fast allen Nothelfern – aus dem Griechischen. Blasius kommt von blaisós, was der Lispelnde bedeutet, Pantaleon setzt sich zusammen aus panta und leon, was für „ganzer Löwe“ steht. Blasius wird angerufen, wenn es um körperliche Gesundheit, vor allem Halsleiden, Husten und ähnliche Erkrankungen geht. An seinem Gedenktag am 3. Februar, wird deshalb auch der Blasius-Segen (mit den gekreuzten Kerzen) erteilt. Pantaleon wird am 27. Juli gefeiert, er ist „der Inbegriff des heilenden Arztes“. Und so heißt es auch in einem Gebet zu ihm: „Wirft uns eine Krankheit nieder, hilf uns zur Genesung wieder!“ Wer daran glaubt, möge die Heiligen anrufen, wer nicht glaubt, möge das Buch trotzdem lesen, es bringt nicht zuletzt Wissen um Vorarlberger Volksfrömmigkeit und auch um unsere Kunstgeschichte.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

„Von den 14 Nothelfern kann man vor allem zwei in unseren Corona-Zeiten anrufen. Der eine ist Blasius, der andere Pantaleon.“

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.