Stärker als der Glaube trieb ihn die Hoffnung an

2013: Cardenal bei einem Literaturfest.

2013: Cardenal bei einem Literaturfest.

Der Theologe, Politiker und Dichter Ernesto Cardenal ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Managua  „Stärker als der Glaube treibt mich die Hoffnung an und noch stärker als die Hoffnung die Liebe“, sagte der Theologe und Schriftsteller. Cardenal sei ein wortgewaltiger Mahner, der sein dichterisches Werk gegen die Hoffnungslosigkeit stelle und die Liebe als einziges Element der Veränderung kenne, begründete die Jury des Friedenspreises des deutschen Buchhandels einst die Auszeichnung des Nicaraguaners (1980). Cardenal stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Granada. Er studierte Philosophie und Literatur in Mexiko-Stadt sowie New York, später Theologie in Mexiko und Kolumbien. Auf der Insel Mancarrón im Solentiname-Archipel im Nicaraguasee gründete Cardenal eine Bauernkommune nach urchristlichem Vorbild. Er verstand die Gemeinschaft als Versuch, das Reich Gottes im irdischen Kommunismus zu verwirklichen. Dort entstand auch sein bekanntestes Werk „Das Evangelium der Bauern von Solentiname“. Er ist am 1. März im Alter von 95 Jahren gestorben. Auf der Insel soll er nun auch seine letzte Ruhe finden.

Als Kritiker der Diktatur von Anastasio Somoza musste Cardenal ins Exil nach Costa Rica und schloss sich dort der Guerillaorganisation FSLN an. Nach dem Sieg der Sandinisten 1979 kehrte er in seine Heimat zurück und startete als Kulturminister eine Bildungskampagne unter den verarmten Bauern. Beim Papstbesuch 1983 in Managua kam es zum Eklat zwischen dem Befreiungstheologen und dem Vatikan. Johannes Paul II. maßregelte Cardenal in aller Öffentlichkeit. Zwei Jahre später wurde er vom Priesteramt suspendiert. Nach dem Ende der ersten sandinistischen Regierungszeit brach Cardenal auch mit seinen einstigen revolutionären Weggefährten. Der autoritäre Führungsstil von Sandinistenchef Daniel Ortega ließ ihn an seiner Partei verzweifeln.

Von Papst Franziskus rehabilitiert

Gemeinsam mit seinem Freund, dem österreichischen Schauspieler Dietmar Schönherr, gründete er die Kulturstiftung „Casa de los tres mundos“ in Granada. Er widmete sich nun wieder mehr dem Schreiben und veröffentlichte den Gedichtzyklus „Gesänge des Universums“. Seine Lesereisen führten ihn auch immer wieder nach Deutschland und Österreich. „Es ist nichts geblieben von der Revolution“, klagte Cardenal. Seit Ortega 2007 an die Macht zurückgekehrt sei, habe er sich das Land zur Beute gemacht, sagte Cardenal. Trotz seines schlechten Gesundheitszustandes bezog er während der monatelangen Proteste gegen die Regierung mit mittlerweile Hunderten Toten klar Position. Gegenüber der katholischen Kirche hingegen zeigte sich Cardenal zuletzt milde. Papst Franziskus versuche, die Welt zu einem besseren Ort für die Armen und Vergessenen zu machen. Zuletzt rehabilitierte das katholische Kirchenoberhaupt den einst verfemten linken Priester. Anfang Februar 2019 hob Franziskus die Sanktionen gegen ihn auf.

<p class="caption">1983: Maßregelung durch Johannes Paul II.</p>

1983: Maßregelung durch Johannes Paul II.

<p class="caption">Ernesto Cardenal im Juni 2009 bei einer Lesung in der Propstei St. Gerold.   Hronek, AP </p>

Ernesto Cardenal im Juni 2009 bei einer Lesung in der Propstei St. Gerold.   Hronek, AP

„Das Evangelium ist eine politische Botschaft: Die Welt verbessern.“

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