Revolutionäres mit der Geige

von Christa Dietrich
Der Vorarlberger Geiger und Komponist Simon Frick hat zuletzt die Musik zur Uraufführung von „Warten auf Tränengas“ im Theater Kosmos geschaffen.  Westreicher

Der Vorarlberger Geiger und Komponist Simon Frick hat zuletzt die Musik zur Uraufführung von „Warten auf Tränengas“ im Theater Kosmos geschaffen.  Westreicher

Simon Frick arbeitete erstmals für die Bühne und hat weitere Projekte vor sich.

Bregenz, Wien Es muss einer dieser besonderen Momente gewesen sein, wenn ein Auftraggeber und ein Künstler merken, dass sie dasselbe Bild im Kopf haben oder – wie in diesem Fall – denselben Klang im Ohr. Jedenfalls sprach Hubert Dragaschnig, neben Augustin Jagg Leiter des Bregenzer Theaters Kosmos, vor einigen Monaten bei Simon Frick vor. Der Vorarlberger Geiger (geb. 1983) sollte die Musik zur Uraufführung von „Warten auf Tränengas“ schreiben. Mittlerweile hat diese stattgefunden, und während man das Theater verließ, klangen die Töne noch nach und vermengten sich mit der Meinung, dass sich hier alles perfekt ineinander verzahnt hatte, die Personenführung von Dragaschnig, der die Inszenierung verantwortet, das Bühnenbild mit steinernen Inseln von Reinhard Taurer, das Videomapping von Seraphin Simon, mit dem das Volk so genial ins Spiel gebracht wurde, und schließlich die Musik von Simon Frick. Walzer-Rhythmen wehten herein, wurden mit Jazz, Rock und viel Percussion vermengt, wobei der Gesamtklang aber nie die menschlichen Stimmen störte, die in einem Stück, das aus vielen Dialog- und Monolog-Passagen aufgebaut ist, so wichtig sind.

Die Rauheit der Wirklichkeit

Hubert Dragaschnig habe sich zum Intro einen Walzer gewünscht, erzählt Simon Frick im Gespräch mit den VN. Er konnte dem Wunsch entsprechen, weil er diesen Kreislauf vor Augen sah, einen Machtmissbrauch, eine Revolution und schließlich wieder einen Machtmissbrauch. Die Autoren Bernhard Studlar und Andreas Sauter, die seit Jahren gemeinsam Texte und Dramen entwerfen, haben die Mechanismen aufgezeigt. Aus der ganzen Komplexität des Stücks greift Frick ein Bild heraus, das ihn besonders beschäftigte. Es ist die Szene, in der auffliegt, dass sich der bereits abgesägte Regierungschef am Vermögen des Volkes, das seine Nachfolgerin so gerecht verteilen wollte, bereichert hatte. „Es ist ein schwieriges Thema, aber irgendwie dann doch wieder zeitgerecht, denn auch in der Realität gibt es riesige Vermögen, mit denen man zur Umverteilung beitragen könnte, die aber unzugänglich bleiben. Eine Lösung zu finden, ist eine Frage, die in jeder Revolution auftaucht, letztendlich enden diese aber meistens blutig.“ Edle Gedanken und dazu die Rauheit der Wirklichkeit oder dass das alles in einem Albtraum endet, seien starke Aspekte, die er musikalisch zu verarbeiten trachtete. Die klassische Geige, die E-Geige und jede Menge Percussionsinstrumente kamen dabei zum Einsatz. Das Material, das er dem Theater lieferte, habe sofort zugesagt. Im Team habe man dann die Eckdaten für den Feinschliff vereinbart.

So läuft das also beim Schaffen von Musik für die Bühne; Simon Frick, der sich vor Jahren schon mit seiner Vielseitigkeit als Schöpfer von Werken für Streichorchester, Jazzensembles und Rockbands bekannt gemacht hatte, kann sich gut vorstellen, wiederum für die Bühne zu arbeiten.

Werk für eine Metalband

Während ihn die positiven Rückmeldungen nach der Kosmos-Premiere erreichten, hat er mit dem in Vorarlberg bestens bekannten Musiker Peter Madsen Konzerte in Basel absolviert, am 11. März folgt ein Auftritt mit einem Jazz-Trio und neuen Arbeiten in Linz. In Wien, wo er die meiste Zeit lebt und auch unterrichtet, arbeitet er gerade an einem Werk für eine Metalband, das verdeutlicht, was mit der Geige möglich ist, wenn sie ein kreativer Kopf in die Hand nimmt. Daneben arbeitet der Vorarlberger aber auch an einem Duoprojekt, des er mit einer Cellistin realisiert.

Weitere Aufführungen von "Warten auf Tränengas" am 6., 7. und 8. März sowie vom 12. bis 14. März im Theater Kosmos in Bregenz: theaterkosmos.at

„Es war sehr spannend. Ich wollte schon seit Längerem Musik für ein Theaterstück machen.“

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