Was die Macht mit den Menschen macht

Studlar und Sauter: Viele Gespräche führten zum gemeinsam verfassten Stück.  Geml

Studlar und Sauter: Viele Gespräche führten zum gemeinsam verfassten Stück.  Geml

Die Uraufführung am Theater Kosmos hat zwei Autoren: Bernhard Studlar und Andreas Sauter.

Bregenz Gesellschaftlich relevante Themen in Stücken zu behandeln, sieht er als wesentliche Aufgabe von Autorinnen und Autoren, wobei es natürlich wichtig ist, dass sich die Theater auch trauen, diese Stücke zu spielen: „Aus Angst vor neuen Stücken geht man oft auf Nummer sicher, adaptiert und aktualisiert einen Klassiker, während die aktuellen Stimmen ungehört bleiben“, beschreibt Bernhard Studlar die Situation in der deutschsprachigen Theaterszene. Der österreichische Autor (Jahrgang 1972) von dem das Vorarlberger Publikum etwa das Stück „Nacht ohne Sterne“ kennt, hat gemeinsam mit seinem Schweizer Kollegen Andreas Sauter (Jahrgang 1974) das Stück „Warten auf Tränengas“ verfasst, das nun am Theater Kosmos uraufgeführt wird.

Dabei geht es um politische Strukturen, die Engagement fordern, und um einen politischen Machtwechsel, der sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten lässt und dessen Folgen auch weitgehend offen bleiben. Zumindest liest sich der Text so, dass der Zuschauer stets dazu aufgefordert ist, Position zu beziehen. „Dass man das so antizipieren kann, war zumindest unsere Absicht“, erklärt Studlar. „Wie die Regie es gelöst hat, wissen wir noch nicht.“ Auch die Verortung wird nicht exakt klar: „Revolutionen sind nicht nur in prekären Ländern möglich. Das Potenzial dafür gibt es auch Italien und warum sollte es sie nicht in Österreich oder in Deutschland geben, sogar in der Schweiz wären sie vorstellbar.“ Sauter: „Wir haben versucht, die Vorgänge nicht zu bewerten.“ Dass sich auch aus dem Scheitern eines Widerstands wieder ein neuer formieren kann, das werde jedenfalls sichtbar.

Was die Macht aus den Menschen macht, sei zwar eine wesentliche Frage, aber schwer zu beantworten, denn der Sprung in eine Machtposition eröffne jedem Menschen neue Möglichkeiten. Studlar: „Ich glaube, dass der Druck für den Einzelnen auch sehr groß werden kann.“

Lebendige Demokratie

In der Stückliste beider Autoren scheint fast immer ein Co-Autor auf, das gemeinsame Schreiben an einem Werk hat sich somit eingespielt. Wie es funktioniert, ist dennoch interessant. Studlar: „Es funktioniert ein bisschen so, wie wir jetzt miteinander reden. So wie wir nun gemeinsam die Fragen beantworten, so schreiben wir auch.“ Es gibt also eine lange Phase, in der intensiv recherchiert wird, dann stellen die Autoren einander viele Fragen, die sie zu beantworten versuchen und dann ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem zu schreiben begonnen wird. „Der eine tippt und der andere tippt daneben und dann führen wir ein Gespräch über das, was wir aufschreiben und so entstehen die Dialoge.“ Wer schlussendlich welche Figur geschaffen hat, das können Bernhard Studlar und Andreas Sauter am Ende nicht einmal mehr selbst entschlüsseln. Der Zuschauer braucht es also gar nicht zu versuchen. Das wäre auch sinnlos. Regisseur Hubert Dragaschnig erklärt das, was ihn am Stück besonders interessiert hat, in einem Satz: „Es ist eine Hommage an die Demokratie, an eine Demokratie als ein lebendiger Organismus, der jeden Tag diskutierbar ist und der uns in unserer Denkfähigkeit und Menschlichkeit herausfordert.“ VN-cd

"Warten auf Tränengas" von Studlar und Sauter wird am 20. Februar, 20 Uhr, im Theater Kosmos in Bregenz uraufgeführte. Weitere Termine bis 14. März: theaterkosmos.at

<p class="caption">Hubert Dragaschnig hat das Stück „Warten auf Tränengas“ von Bernhard Studlar und Andreas Sauter im Bühnenbild von Reinhard Taurer inszeniert.  VN/Paulitsch</p>

Hubert Dragaschnig hat das Stück „Warten auf Tränengas“ von Bernhard Studlar und Andreas Sauter im Bühnenbild von Reinhard Taurer inszeniert.  VN/Paulitsch

„Es ist unsere wesentliche Aufgabe, gesellschaftlich relevante Themen zu behandeln.“

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