Was aus Österreich hinausstrahlt

von Christa Dietrich
Der österreichische Autor Ferdinand Schmalz ist Nestroy- und Bachmann-Preis-Träger. Das Vorarlberger Ensemble Unpop zeigt nun sein Stück „der herzerlfresser“. Apa

Der österreichische Autor Ferdinand Schmalz ist Nestroy- und Bachmann-Preis-Träger. Das Vorarlberger Ensemble Unpop zeigt nun sein Stück „der herzerlfresser“. Apa

Ferdinand Schmalz: "Kunst öffnet Perspektiven und wirkt der Engstirnigkeit entgegen."

Dornbirn Vor einigen Jahren schon kam das Publikum in Vorarlberg in Kontakt mit einem Text von Ferdinand Schmalz. Stephan Kasimir inszenierte am Theater Kosmos das Stück „am beispiel der butter“ kurz nachdem es am Schauspiel Leipzig uraufgeführt wurde. Mittlerweile kann der österreichische Schriftsteller (mit bürgerlichem Namen Matthias Schweiger im obersteirischen Ennstal aufgewachsen) auf Aufführungen am Deutschen Theater in Berlin oder im Wiener Burgtheater zurückblicken, und auch seine Beschäftigung mit der Prosa war umgehend von Erfolg gekrönt, er holte sich den Ingeborg-Bachmann-Preis. Derweil hat Kasimir mit dem Ensemble Unpop in Dornbirn ein eigenes Theater gegründet, was Schmalz, wie er im Gespräch mit den VN bekundet, „mit großer Freude“ vernommen hat: „Ich finde es großartig, was die aufgebaut haben.“ Er komme ja selbst aus der Provinz und freue sich daher umso mehr, wenn man sich auch in kleineren Städten dem neuen Dramenschaffen widmet.

Förderungsnetz notwendig

Was aus Österreich hinausstrahle, sei die Kunst. Und wenn er Kunst sagt, dann meine er eben nicht nur die großen Museen und Theaterhäuser. Von der Kulturpolitik bzw. der nun dafür zuständigen Staatssekretärin Ulrike Lunacek erwartet er sich die Erkenntnis, dass ein engmaschiges Förderungsnetz notwendig ist: „Große Kunst entsteht aus einem breiten Sockel, der gesichert sein muss.“ In seiner Heimatregion in der Steiermark habe er die negativen Auswirkungen des kulturellen Abbaues miterlebt. Er kenne die Gefahr. Dabei könne Kunst Perspektiven öffnen und der Engstirnigkeit entgegenwirken.

Dem Stück „der herzerlfresser“ liegt nicht nur ein tatsächlicher historischer Kriminalfall zugrunde, sondern auch eine Sage, nach der man nach dem Genuss von Frauenherzen unsichtbar wird. Das makabre Geschehen verlegt Schmalz in eine konsumorientierte Provinz, in der man sich im Vorfeld der Eröffnung eines Einkaufszentrums mit dem Fund von Frauenleichen konfrontiert sieht. Dem Bild der herzlosen Postmoderne stemmen sich im Stück vor allem die weiblichen Figuren entgegen. Die Theaterliteratur biete, so Schmalz, ohnehin viel zu wenig gute Rollen für Schauspielerinnen, dem wollte er zudem entgegenwirken.

Nibelungen mit starken Frauen

Das Thema führt auch nach Worms. Ferdinand Schmalz schreibt für die dortigen Nibelungenfestspiele das Stück „Hildensaga. Ein Königinnendrama“, das in diesem Sommer vor dem Kaiserdom uraufgeführt wird. Gerade die Figur der Brünnhild weise über derlei Epen hinaus und ihre Position gehe in der herkömmlichen Lesart unter. Den angeblichen Streit von Kriemhild und Brünnhild will er aus einer anderen Perspektive beleuchten. „Vielleicht hat er so, wie wir ihn kennen und erzählt bekommen, ja gar nicht stattgefunden“, meint er und kann sich durchaus vorstellen, dass das Nibelungenlied eine Verfasserin gehabt hat. Nachdem er sich darauf festgelegt hat, einen feministischen Blick auf den Stoff zu werfen, eröffnen sich auch Verbindungen zur Gegenwart, in der junge Frauen, etwa auch Greta Thunberg oder die Generation der Angry Young Women, in verschiedenen Bereichen gegen Männerbünde vorgehen.

Im Juli 2017 hat Ferdinand Schmalz mit dem Prosatext „mein lieblingstier heißt winter“ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Stückverträge mit großen Häusern behinderten damals das Fertigschreiben des Romans. Das Manuskript liege nun auf seinem Schreibtisch. Mit dem Erscheinen des Romans sei voraussichtlich im kommenden Jahr zu rechnen.

Premiere von "der herzerlfresser" von Ferdinand Schmalz am 19. Februar, 20 Uhr, im Theater Unpop im Dornbirner Kulturhaus. Weitere Aufführungen bis 29. Februar.

„Große Kunst entsteht aus einem breiten Sockel, der gesichert sein muss.“

Zur Person

Ferdinand Schmalz

Geboren 1985 in Graz, aufgewachsen im Ennstal

Ausbildung Studium Theaterwissenschaft und Philosophie in Wien

Theaterstücke u. a. „am beispiel der butter“, „dosenfleisch“, „­der ­herzerlfresser“, „jedermann (stirbt)“, „Der Tempelherr“

Auszeichnungen u. a. Ingeborg-Bachmann-Preis, Nestroy-Theaterpreis, Nachwuchsdramatiker 2014

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