An Wiener Bühnen. Beethoven-Gedenken mit der Uraufführung von „Egmont“ von Christian Jost

Freiheitsoper als Politkrimi mit hohem musikalischen Niveau

Uraufführung von „Egmont“ wurde im Theater an der Wien gefeiert.  Rittershaus

Uraufführung von „Egmont“ wurde im Theater an der Wien gefeiert.  Rittershaus

Beethoven-Gedenken ohne Beethoven, dieses Kunststück ist dem Theater an der Wien geglückt.

wien In einer hochästhetischen Inszenierung von Keith Warner schwingt sich mit „Egmont“ von Christian Jost eine Freiheitsoper zu musikalisch hohem Niveau auf. Die einzige Verbindung ist dabei das Sujet, hatte Beethoven doch für Goethes gleichnamiges Trauerspiel einst die Schauspielmusik geschrieben. Angesiedelt haben Jost und sein Librettist Christoph Klimke ihren „Egmont“ in den Niederlanden, die zwischen den aufständischen Protestanten und der katholischen Herrschaft Philipps II. zerrissen werden. Der Herzog von Alba verkörpert den brutalen Unterdrückungsapparat, Prinz Egmont die moderaten niederländischen Adligen. Dazwischen steht Margarete von Parma als Statthalterin, die zwischen den Lagern vermitteln möchte und schließlich von Alba ermordet wird, der nach der absoluten Macht greift.

Diesen Politkrimi kleidet Jost in eine überraschend differenziert geführte, dramaturgisch gedachte Musik. Anfangs breitet er Klangflächen aus, unter die sich zunächst der kaum als solches zu identifizierende Chor mit Zitaten aus Beethovens „Brief an die unsterbliche Geliebte“ mischt. Doch bei dieser Stoßrichtung belässt es der Komponist nicht, sondern entwickelt seinen Klangraum mit dem weitgehend in Beethoven-Besetzung spielenden Orchester geschickt, schafft ein Kompendium an Stimmungen. Im Gesang liegt die absolute Dominanz auf der Textverständlichkeit, und das RSO tritt unter Michael Boder dezent in den Hintergrund, um dann wieder fulminant aufzuspielen. Einen Gutteil zum Gelingen trägt  Regisseur Keith Warner bei, der die dem Stück innewohnende filmische Qualität der schnellen Schnitte aufgreift. Die Besetzung mit Bo Skovhus, Maria Bengtsson, Angelika Kirchschlager ist stark, lediglich Edgaras Montvidas wirkt in der Hauptrolle etwas blass.

Weitere Aufführungen der Oper "Egmont" von Christian Jost am 19., 21., 24. und 26. Februar, jeweils 19 Uhr, im Theater an der Wien: www.theater-wien.at

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