Gewiss keine Wohlstandskinder

von Christa Dietrich
Szene aus „der herzerlfresser“ des Österreichers Ferdinand Schmalz, das demnächst im Theater Unpop gezeigt wird.  Caro stark

Szene aus „der herzerlfresser“ des Österreichers Ferdinand Schmalz, das demnächst im Theater Unpop gezeigt wird.  Caro stark

Die nächste Generation der Vorarlberger Theatermacher hat es sehr schwer, der Fall Unpop zeigt es.

Dornbirn, Bregenz Wenn man danach fragt, wer neue Tendenzen in die regionale Theaterlandschaft bringt, liefere das Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (kurz: Ensemble Unpop) spannende Faktoren, offenbart Winfried Nussbaummüller im Gespräch mit den VN seine Einschätzung und die jener Kommissionsmitglieder, die Förderungsempfehlungen des Landes abgeben. Helfen wird das Stephan Kasimir und Caro Stark, die das Ensemble vor vier Jahren gegründet haben, nichts. Das in Dornbirn angesiedelte Theater steht nicht nur vor einer wichtigen Premiere, nämlich der Aufführung des Stücks „der herzerlfresser“ des österreichischen Schriftstellers und Bachmann-Preis-Trägers Ferdinand Schmalz, sondern auch vor dem Aus. Nussbaummüller, dem Leiter der Kulturabteilung im Amt der Landesregierung, ist das Problem bereits länger bekannt. Mit der Unterstützung des Kasimir/Stark-Unternehmens wollte man dezidiert darauf achten, dass neben dem seit 25 Jahren erfolgreich tätigen Theater Kosmos und dem seit rund 30 Jahren reüssierenden Aktionstheater auch die etwas jüngere Generation zum Zug kommt bzw. mitmischt.

40.000 Euro betrug die Basissubvention vonseiten des Landes, die man im Jahr 2019 um 5000 Euro aufstockte. Im Zuge von Verhandlungen hat Kasimir, der aus Vorarlberg stammt und nach der Ausbildung für Projekte im Theater Kosmos ins Land kam und dort auch im Bereich der Förderung junger Autorinnen und Autoren tätig ist, dargelegt, dass die Summe nicht reicht, um zwei Produktionen pro Jahr in hoher künstlerischer Qualität zu realisieren. Als konsequenter Theatermacher geht sich für ihn nur ein Stück aus. Während die Stadt Dornbirn, der zweite Geldgeber, die Jahressumme von rund 20.000 Euro heuer nicht kürzte, gibt es vom Land nun nur noch 35.000 Euro, also die einstige Basissumme minus 5000 Euro.

Theaterlandschaft ändert sich

Wenn das Land die Verteilung des Kuchens nicht neu überdenkt, gibt es demnächst ein professionelles Ensemble, das auf Autorentheater setzt, weniger. Wobei die Unpop-Macher nicht davon ausgehen müssen, dass sie es sind, die Verhandlungen auslösen. Während sich Kasimir nämlich zu Recht Sorgen macht, dass das Publikum das Theater Unpop aus den Augen verliert, wenn er nur noch einmal pro Jahr Präsenz zeigt, zeichnen sich ohnehin Veränderungen in Sachen Theaterlandschaft ab. Während das 1988 gegründete Kinder- und Jugendtheaterfestival Luaga & Losna weiter besteht, beendet, wie Winfried Nussbaummüller bestätigt, Johannes Rausch seine Tätigkeit mit dem Theater der Figur. Auch das und die schon vor einiger Zeit erfolgte Stilllegung des Projekttheaters ist ein Grund, den Bereich der darstellenden Kunst zum Gegenstand von Diskussionen mit Kulturschaffenden zu machen.

Stagnation

Bei der Betrachtung der Jahressumme der Stadt Dornbirn für Unpop in der erwähnten Höhe von rund 20.000 Euro sei noch angeführt, dass das Theater etwa die Hälfte davon wieder für Mieten und Technik an das städtische Kulturhaus abzugeben hat. Übrigens: Dass das Vorarlberger Landestheater seine über vier Millionen Euro unbedingt braucht, daran zweifelt keiner. Mit einer Anhebung ist allerdings so gut wie nicht zu rechnen, das Kulturbudget des Landes wurde heuer nur minimal erhöht.  Die neue Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink ist noch nicht dafür verantwortlich zu machen. Sie hat aber ausreichend Argumente für die nächste Budgetverhandlung. 

Premiere von "der herzerlfresser" von Ferdinand Schmalz am 19. Februar im Dornbirner Kulturhaus. Aufführungen bis 29. Februar: unpop.at

„Für die Frage nach neuen Tendenzen liefert Unpop spannende Faktoren.“

„Mit der Förderung sind zwei Produktionen auf hohem Niveau nicht realisierbar.“

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.