VN-Interview. Sarah Mistura (32), Fotografin und Videokünstlerin

Verschärfte Entspannung

von Felix Holzer
Im Kollektiv raum stellt die Fotografin Sarah Mistura eine Auswahl ihrer Arbeiten aus der Reihe „ent.spannung“ aus.  VN/HF, Sarah Mistura

Im Kollektiv raum stellt die Fotografin Sarah Mistura eine Auswahl ihrer Arbeiten aus der Reihe „ent.spannung“ aus.  VN/HF, Sarah Mistura

Sarah Mistura erzählt mit ihren Fotografien ganze Geschichten.

Bregenz Von Cicero stammt der Ausspruch: „Kein gesunder Mensch tanzt.“ Molière hingegen sprach: „Nichts ist dem Menschen so unentbehrlich wie der Tanz.“ In genau diesem Spannungsfeld bewegt sich die Vorarlberger Fotografin und Videokünsterlin Sarah Mistura mit ihrem Werk. Mit einer feinen Ausstellung im Kollektiv raum inklusive einem zeitgenössischen Rahmenprogramm präsentiert sie in Bregenz ihren Mikrokosmos.

Was war für Sie zuerst da? Der Tanz oder die Fotografie?

Mistura Ich habe schon mit vier Jahren angefangen zu tanzen und das bis zum Studienbeginn durchgezogen. So mit 16, im Gymnasium, habe ich dann die Kamera als mein Werkzeug entdeckt. Ganz egal ob Fotografie oder Video, mit einer Linse kann ich zwei Sachen machen. Meine Bachelorarbeit war eine Rauminstallation mit der Tänzerin Silvia Salzmann.

Spielt Interdisziplinarität in Ihrer Kunst eine Rolle?

Mistura Meine Kunst basiert immer auf Zusammenarbeit. Klar, die Ausführung mache ich alleine, aber ohne Kooperationen geht da gar nichts, egal ob als Fotografin oder Filmemacherin. Es ist ja auch spannend, wichtig und lehrreich, gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Was fasziniert Sie am menschlichen Körper?

Mistura Mir reicht es nicht, einfach eine schöne Person abzubilden. Ich fotografiere zu 99,99 Prozent Menschen, deren ganze Geschichte ich durch das Abgelichtete erzählen möchte. So eine Foto-Session ist für mich wie ein Date mit weichem Licht und viel Gefühl. Daher fotografiere ich bevorzugt leicht bekleidete Personen, denn wenn die Scham fällt und alles ins Körperliche übergeht, dann wird es ein gutes Bild. Es ist auch erwähnenswert, dass sich Frauen lieber fotografieren lassen als Männer. Es liegt wohl daran, dass ich sie in einem guten Licht dastehen lassen kann.

Was erwartet den Besucher bei der Ausstellung im Kollektiv raum?

Mistura Da sind erstmal 16 handverlesene Fotografien, die bereits bei der Ausstellung „ent.spannung“ im Theater Kosmos zu sehen waren. Entstanden sind diese Werke in Kooperation mit dem NetzwerkTanz und sie zeigen die Vielfalt der Tänzerinnen auf. Der Überbegriff der Ausstellung kommt auch vom Gedanken, sich mit einer gewissen Spannung in eine Situation zu begeben. Dazu kommen noch die Performances. Zur Vernissage wird die großartige Verena Wohlrab zeitgenössischen Tanz zu Livemusik zum Besten geben. Am 20. April machen wir „Story to go“, da werden dann Geschichten von Passanten in Tanz umgesetzt, das machen Miriam Steinbock und Natalie Begle. Bei der Finnisage tanzt dann Fabienne Rohner zu harten Klängen.

Stehen die nächsten Projekte schon in den Startlöchern?

Mistura Im Mai geht es mit Maria Kern zur Art New York. Dort werde ich eine Tanzperformance zum Kunstfilm stilisieren. Eine weitere Aufführung von „More“ im Theater Kosmos ist bereits im Kalender notiert. So nebenbei läuft auch mein Dauerprojekt mit Silvia Salzmann, da dreht es sich um Wasser in all seinen Aggregatzuständen.

Vernissage der Ausstellung „Spannung“ heute um 19 Uhr im Kollektiv raum, Maurachgasse 1, Bregenz. Die Ausstellung dauert bis
27. April. https://kollektiv-raum.org/

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