Post raus, Kunst rein, auf der Insel funktioniert es

von Christa Dietrich
Die letzte Sommerausstellung in Lindau, die August Macke gewidmet war, wurde von über 55.000 Besuchern frequentiert.  VN/cd

Die letzte Sommerausstellung in Lindau, die August Macke gewidmet war, wurde von über 55.000 Besuchern frequentiert.  VN/cd

Ausstellungstechnisch holt man am anderen Bodenseeufer inklusive Umbauten zügig auf.

Lindau Das Haus zum Cavazzen im Zentrum der Inselstadt Lindau zählt zweifellos zu den historisch interessantesten Gebäuden in der Bodenseeregion. Wahrgenommen wurde es in den letzten Jahrzehnten als Stadtmuseum, aber auch als Schauplatz von Sommerausstellungen mit Werken namhafter Protagonisten der Klassischen Moderne wie Picasso, Matisse, Klee, Chagall oder Macke, die jeweils von mehr als 50.000 Besuchern frequentiert wurden. Mit finanzieller Unterstützung vom Bund bzw. aus Berlin und vom Freistaat Bayern stemmt die Stadt in den nächsten Jahren die notwendig gewordene Sanierung des spätbarocken Bauwerks aus dem 18. Jahrhundert, wofür etwa 25 Millionen Euro aufgewendet werden. Die Sammlungsbestände werden derweil in ein Depot auf dem Festland verfrachtet, für die Sommerausstellungen, auf die man auf keinen Fall verzichten wollte, suchte man ein Ausweichquartier und fand es im Postgebäude neben dem Bahnhof.

Fünf Meter hohe Hallen

Wie viele solcher Einrichtungen, die in der Gründerzeit mit relativ großzügiger Kubatur errichtet worden sind, wird auch der Lindauer Bau von Friedrich von Thiersch mittlerweile längst nicht nur für den Postversand gebraucht. Während aber beispielsweise im Bregenzer Postgebäude nur einzelne Räume im Ausmaß von Galerien für Ausstellungen von verschiedenen Einrichtungen genutzt werden, rückt in Lindau die Kunst ins Zentrum. In den fünf Meter hohen Hallen stehen für die Hängung von Kunstwerken gut hundert Laufmeter zur Verfügung, verdeutlicht Alexander Warmbrunn, Leiter des Lindauer Kulturamtes, gegenüber den VN das Vorhaben. Die Adaptierungen sind im Gange und sollen Ende März abgeschlossen sein, die Lichtgestaltung übernimmt die Zumtobel Lighting GmbH in Dornbirn.

Beginn mit Hundertwasser

Anfang April will man die erste Ausstellung eröffnen. Bis 29. September sind im neuen Kunstdomizil unweit des Inselbahnhofs Gemälde, Grafiken und Architekturentwürfe des bekannten Österreichers Friedensreich Hundertwasser (1928–2000) zu sehen. Ausstellungskurator ist Robert Fleck. Für Alexander Warmbrunn ist die Entscheidung für Friedensreich Hundertwasser nicht nur deshalb eine gute, weil in der Region viele Jahre keine Originale des Künstlers zu sehen waren, der Österreicher repräsentiere auch die Verbindung von Kunst und Natur, war Hundertwasser doch auch im Bereich des Umweltschutzes tätig. Lindau bereitet sich bereits auf eine Gartenschau-Ausstellung vor, die in zwei Jahren auf der hinteren Insel stattfindet. Nach vorläufiger Planung wird der Umbau des Hauses zum Cavazzen die nächsten drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit werden die Lindauer Sommerausstellungen auf jeden Fall im Postgebäude realisiert. Warmbrunn sieht sie als Ergänzung zum großen Kunstangebot im gesamten Bodenseeraum, in dem das Kunsthaus Bregenz beispielsweise für das hochqualitätsvolle Zeitgenössische steht.

Ausstellung mit Arbeiten von Friedensreich Hundertwasser vom 6. April bis 29. September in der alten Post in Lindau.

„Ich sehe die Boden- seeregion als eine Kulturstadt mit gutem, vielfältigem Angebot.“

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