Im milden Licht des Trostes

von Fritz Jurmann
Sopranistin Kathrin Signer mit Chorleiter Benjamin Lack. 

Sopranistin Kathrin Signer mit Chorleiter Benjamin Lack. 

Konservatoriums-Chor stemmte das Brahms-Requiem ganz ohne fremde Hilfe.

FELDKIRCH Es war wie ein Akt der Selbstbefreiung. Der 70-köpfige Chor des Landeskonservatoriums hat selbstbewusst die Herausforderungen des Brahms-Requiems angenommen und dieses populäre Chorwerk im vollbesetzten Festsaal imponierend umgesetzt. Und vor allem: ganz ohne fremde Hilfe routinierter Kräfte aus dem Feldkircher Kammerchor, wie das Benjamin Lack als Chef beider Chöre wie teils bei früheren Projekten zunächst aus Sicherheitsgründen noch angedacht hatte.

Dieser mutige Kraftakt hat wieder einmal gezeigt, dass die Zeiten längst vorbei sind, da die Instrumentalstudenten des Hauses das Pflichtfach einer ungeliebten zusätzlichen Gesangsausbildung bloß als „notwendiges Übel“ sahen. Seit bald zehn Jahren hat es Lack als Chorleiter verstanden, das vorsichtige Interesse am Gesang mit pädagogischem Geschick in Begeisterung zu wandeln, auch bei den Nicht-Gesangsstudenten, die etwa drei Viertel des Chores ausmachen. „Am Ende einer Probenphase, wie wir sie seit Oktober hatten, soll eine Aufführung von hohem Anspruch stehen, die als großes gemeinschaftliches und künstlerisches Erlebnis für die Studierenden und unser Publikum gedacht ist“, meint Lack im VN-Gespräch.

Frisch, beweglich und kompakt

Und so ist es dann auch. Da stehen sie in einem beeindruckend weiten Halbrund auf der Bühne, die vorwiegend jugendlichen Studierenden, die Damen etwa zu zwei Dritteln weit in der Überzahl. Das macht sich naturgemäß auch im Klang bemerkbar, doch Lack kann das in eine ausgewogene Balance bringen. Mit seiner sprechenden Gestik vermittelt er den Sängern auf der Höhe ihres Ausbildungsstandes die wohlig romantische Wärme in den betrachtenden Chorteilen als Ausdruck des Trostes in einem milden Licht ebenso wie die Strenge der Fugen. Das ergibt in einer breit angelegten Dynamik Spannung pur zwischen samtigem Klang und dramatischem Zugriff. Die Stimmen wirken frisch, beweglich und kompakt, schwingen Brahms’ große Melodiebögen sorgfältig aus wie in dem vom weichen Altregister berührend angestimmten „Selig sind die Toten“. Die Soprane finden nach zögerlichem Beginn in der Höhe rasch zu sauber strahlenden Spitzentönen. Ein geballtes Unisono aller Stimmen steuert auf den mahnenden biblischen Höhepunkt zu: „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ trifft unmittelbar die Auseinandersetzung des Menschen mit dem Tod als dem zentralen Thema dieses Werkes. Texte im Abendprogramm helfen den Zuhörern über die noch nicht ganz optimale Verständlichkeit des Chores hinweg.

Die vom Original mit großer Orchesterbegleitung deutlich abweichende Fassung für zwei Klaviere und Pauken von Heinrich Poos verleiht der Aufführung eine durchaus willkommene kammermusikalische Transparenz und gibt dem stets im Zentrum des einstündigen Werkes stehenden Chor noch mehr Raum zur Entfaltung. Andererseits bringen die beiden Flügel, die ineinander verschränkt auf der Bühne stehen, mit den überlegen mitgestaltenden Konservatoriums-Professoren Anna Adamik und Gerhard Vielhaber eine große dynamische Bandbreite und symphonische Klangfarben ins Geschehen, unterstützt von den markanten Pauken (Martin Kolfhaus). Zwei weitere Studierende wurden mit den von Brahms eher stiefmütterlich behandelten Solopartien betraut. Die aus Heiden/CH stammende Sopranistin Kathrin Signer (23, Klasse Dora Kutschi) wirkt mit ihrer verhalten hellen Stimme sehr frei und mühelos. Nicht ganz ebenbürtig ist der Tübinger Bariton André Sesgör (30, Klasse Clemens Morgenthaler), der seinen Part zwar deutlich und in schönem Legato, aber etwas forciert anlegt. Eine geschlossene Gemeinschaftsleistung, die minutenlang gefeiert wurde.

Nächstes Konzert am Konservatorium: 31. März, 11 Uhr, PulsArt (Ensemble für Neue Musik, Leitung Benjamin Lack).

<p class="caption">Der Chor aus Studierenden des Landeskonservatoriums hat die Herausforderungen des Brahms-Requiems angenommen.  Konservatorium/V. Marin</p>

Der Chor aus Studierenden des Landeskonservatoriums hat die Herausforderungen des Brahms-Requiems angenommen.  Konservatorium/V. Marin

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