Mozart unter dem Brennglas

von Fritz Jurmann
Das Elias Quartett und Paul Lewis boten im Angelika-Kauffmann-Saal ein Traumniveau in still leuchtender, innerer Schönheit.  Schubertiade

Das Elias Quartett und Paul Lewis boten im Angelika-Kauffmann-Saal ein Traumniveau in still leuchtender, innerer Schönheit.  Schubertiade

Britentag der Schubertiade mit Elias Quartett und Ian Bostridge.

SCHWARZENBERG Schubertianer zu sein und zugleich Fußballfan sind zwei Bereiche, die einander nicht zwangsläufig ausschließen. Das zeigt sich, wenn wie derzeit eine Fußballweltmeisterschaft mit dem Festival zusammenfällt. Da werden dann die Leistungen auf dem Spielfeld oft wie jene auf der Bühne bewertet oder von den deutschen Gästen derzeit das unerwartete vorzeitige Ausscheiden des einstigen Weltmeisters bejammert.

Aber auch abseits davon gab es jüngst viel Spannung bei einem „Britentag“ in zwei überbuchten Konzerten im Angelika-Kauffmann-Saal. Einmal debütierte das Elias-Quartett, in der Londoner Wigmore-Hall längst Publikumslieblinge, wie es mir mein Langzeitfreund Tony aus Kent flüstert. Sie werden es nach diesem ersten Auftritt auch hier mit Sicherheit werden. Dieses Prädikat darf Liedlegende Ian Bostridge schon längst für sich in Anspruch nehmen. Es ist sein 63. Auftritt seit seinem Debüt im Jahr 1999.

Zart wie Spinnweben sind die Klänge, die das Elias-Quartett mit Schuberts nachgelassenem c-Moll-Satz aus dem Hut zaubert. So transparent, dass sich bei aller Komplexität spielend jede Einzelstimme verfolgen lässt. Dazu kommt eine fast unglaubliche Reinheit der Intonation, allein derentwegen dieses Konzert zum besonderen Hörvergnügen wird. Das Elias-Quartett mit den  französisch-katalanischen Schwestern Bitlloch an den Außenpositionen, dem Schotten Donald Grant an der zweiten Geige und dem Ersatz-Bratschisten Robin Ireland ist bald 20 Jahre alt und doch erst jetzt in die Phalanx der weltbesten Streichquartette eingedrungen, die sich hier Tag für Tag die Klinke in die Hand geben. Als hätte er schon ewig dazugehört, fügt sich für die von Mozart autorisierte Kammermusikversion seines A-Dur-Klavierkonzerts KV 414 der fantastische englische Pianist Paul Lewis als Meister der Eleganz ins Geschehen ein. Das ist nun Mozart unter dem Brennglas, wo ungekannte Strukturen freigelegt werden. Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ erhält eine spezielle Deutung, nicht so beklemmend und fahl, wie es die meisten anderen Ensembles hier tun, sondern in den Variationen mit leichtem Vibrato abgerundet und einem Funken Hoffnung.

Geschichten in Liedern

Bei den Geschichten vom Zwerg, dem König von Thule oder vom Harfner, die Ian Bostridge (53) diesmal auf Lager hat, könnte einem manches Mal angst und bange werden. So sehr offenbart sich der in seiner Ausdrucksweise singuläre Tenor in Mimik und Körpersprache als Schmerzensmann der Seelenpein, identifiziert sich bis ins Letzte mit seinen Liedfiguren. Da ist dann der heitere „Musensohn“ eine solche Ausnahme, dass die Zuhörer zu lachen beginnen. Stimmlich ist er voll auf der Höhe seiner Kraft, seiner feinen Zwischentöne. Zum Höhepunkt wird „Viola“, das vieldeutige Lied vom Schneeglöcklein nach Franz von Schober, das Bostridge trotz der ausufernden Textlastigkeit, auch dank eines Schwindelzettels im Bauch des Flügels, mit großer Spannung durchhält. Dagegen wirkt die fast 20-minütige Ballade „Einsamkeit“, ein Werk ohne besondere dichterische und kompositorische Inspiration, für das Publikum ebenso ermüdend wie wohl auch für den Sänger. Zum Ereignis wird der erste Auftritt des solistisch hier oftmals gefeierten Igor Levit (31) als Klavierbegleiter. Er ist auch in dieser Funktion ein aufregender Musiker, unterstreicht Stimmung und Ausdruck der Gesänge.

Schubertiade heute: 11 Uhr, Aaron Pilsan, Kian Soltani; 16 Uhr, Igor Levit, Klavier, Isang Enders, Cello; 20 Uhr, Christoph Prégardien.

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