„Wer bloß das Grob hört, losad nid“

„,Red dütsch‘ heißt auch Klartext zu sprechen“: Ulrich Gabriel hat am Feiertag den sechsten, heuer besonders umfangreichen Mundartmai eröffnet.  VN/KH

„,Red dütsch‘ heißt auch Klartext zu sprechen“: Ulrich Gabriel hat am Feiertag den sechsten, heuer besonders umfangreichen Mundartmai eröffnet.  VN/KH

Der Mundartmai ist eröffnet, bietet über 20 Veranstaltungen an 17 Orten und ist ein Statement.

Mäder „Wer bloß das Grob hört, losat nid, hört nünt, tschäckt nünt und stoht drneobod“, hielt Ulrich Gabriel fest. Der Autor, Musiker, Verleger und Kunstvermittler muss es wissen, seit Jahren steht ein Genre bei ihm im Fokus, nämlich die Mundartliteratur. Wobei der wehmütige Rückblick, dem sich viele Autorinnen und Autoren hingegeben haben und der dieses Genre als eines auswies, mit dem die jüngere Generation nichts anfangen kann, nicht stattfindet. Gabriel, das hat sich mittlerweile herumgesprochen, geht wissenschaftlich vor, weiß von der Bedeutung der Sprache, die im Alltag Anwendung findet und somit auch Literatur werden kann und er vermittelt im wahrsten Sinne des Wortes, dass die Mundart auch eine Herzensangelegenheit ist.

Steigendes Interesse

„D‘Mundartlandschaft büütot an Hufo Bsundrigs, wänn ma inelosat“, erklärte er am Feiertagmittag bei der Eröffnung der sechsten Auflage des Festivals in Mäder: „Guate Mundartdichtung varlangat faine Ohro. Faine Ohro varlangand noch guator Mundartliteratur. So gseaha ischt Mundartliteratur ou a Hörschuol, a ggrissos Schpiel mit Wörtr.“ Dass bei dieser Reihe, in deren Rahmen zahlreiche Autoren und Musiker aus Österreich, Deutschland und der Schweiz nun bis Ende des Monats an verschiedenen Orten auftreten, ihre Vielfalt und Lebendigkeit deutlich wird, lässt das Publikumsinteresse stets anwachsen. Mundart will gesprochen, Mundartliteratur bei Lesungen vermittelt werden. Das macht ein solches Festival so wertvoll, bei dem das Publikum im Übrigen auch dem Nachwuchs begegnen kann. Birgit Rietzler zählt zu jenen Autorinnen, die Mundartliteraten entdecken und fördern, vermitteln was Qualität hat und wie sie erreicht werden kann. Denn, so Gabriel, „Kitsch tritt bei den jungen wie bei den alten Schreibern auf, wenn ich von Mundartliteratur spreche, dann schließe ich diesen aus“. Am 6. Mai treten die jungen Autoren übrigens im Restaurant Haslach in Dornbirn auf. Bei den Lesungen, die sich von Mittelberg im Kleinwalsertal bis Silbertal im Montafon erstrecken, treten auch die jeweils regionalen Färbungen in der sprachlichen Äußerung zu Tage.

Zuerst die Mundart

Dass die Sprache und damit auch die Mundartliteratur einem Wandel unterliegt, zeige sich allein schon bei Begegnungen, die Ulrich Gabriel im Gespräch mit Zugezogenen bzw. in Vorarlberg lebenden Asylsuchenden gemacht hat. Wenn diese dann ein paar Sätze in erlerntem Deutsch sprechen, erhalte die Sprache einen Klang, der je nach Region unterschiedlich ist. Dass fremde Sprachen in die Vorarlberger Mundart einfließen, war darüber hinaus immer schon klar. Fußballspielen werde schon seit Jahren als „Tschutta“ bezeichnet und stammt somit definitiv aus dem Englischen, das „Tschäcka“ ist relativ neu hinzugekommen, steht aber unter „checken“ als begreifen, kapieren oder nachprüfen mittlerweile auch im Duden. VN-cd

Nächste Lesungen am 3. Mai, 18.30 Uhr im Café Ulmer in Haselstauden und am 4. Mai in Domino's Hus am Kirchplatz in Frastanz. Weitere: www.unartproduktion.at

„Guate Mundart­dichtung varlangat faine Ohro.“

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