Die große Malerin und ihr Männerbild

von Christa Dietrich
Dieses Selbstbildnis aus dem Jahr 1802 hat das Land Vorarlberg nun angekauft.

Dieses Selbstbildnis aus dem Jahr 1802 hat das Land Vorarlberg nun angekauft.

Ein Ankauf und Männerporträts stehen im Mittelpunkt der neuen Angelika-Kauffmann-Ausstellung.

Schwarzenberg Wer ganz genau hinsieht und sich dazu etwas Zeit gönnt, der kann entdecken, dass hinter dem Bildnis von Isaac Jamineau der Vesuv lodert. Angelika Kauffmann (1741-1807) hatte den britischen Konsul in Neapel während eines Aufenthalts 1763 auf Ischia gemalt. Einen Mann in selbstbewusst-lässiger Haltung mit offenem Westenknopf darstellend, steht das Bild, das sich im Besitz der Landeshauptstadt Bregenz befindet, für jene Gemälde, die die Kauffmann als hervorragende Porträtmalerin ausweisen, die charakterliche Eigenschaften einzufangen weiß, sobald sie einmal nicht allzu viele Auflagen von prominenten Auftraggebern zu erfüllen hatte, die nach Werken zu reinen Repräsentationszwecken trachteten.

Ihr Porträt des Archäologen Johann Joachim Winckelmann zählt ebenso zu dieser meisterlichen Serie wie das Bild des Schauspielers David Garrick, des Malerkollegen Joshua Reynolds oder jenes des jungen Johann Wolfgang von Goethe und von Johann Gottfried Herder. Die fünf genannten Werke befinden sich in großen Sammlungen in der Schweiz, in England und in Deutschand und sind für das Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg nur schwer bis kaum erreichbar. Dass es gelang, das 1761 entstandene Porträt von Johann Joseph Kauffmann aus dem Tiroler Landesmuseum zu bekommen, ist bereits ein schöner Erfolg und wertet die Schau „Männerporträts“ auf, mit der der Museumsverein in Schwarzenberg nun die Reihe thematischer Einblicke ins große Werk der Malerin prolongiert, deren Vater aus dem Bregenzerwald stammt und die an der Ausgestaltung der Pfarrkirche beteiligt war.

Ankauf des Landes

Dass neben einer Kauffmann-Büste auch ein Selbstporträt vertreten ist, hat einen besonderen Grund. Erst kürzlich gelang es dem Land Vorarlberg das Werk aus dem Jahr 1802, aus dem eine kluge, gereifte Frau blickt, aus Privatbesitz zu erwerben. Nur einige Wochen wird es in Schwarzenberg zu sehen sein, denn ab Juli kommt es in eine Sonderausstellung in Wörlitz bei Dessau.

Nach der Ausstellung mit Frauen- und Kinderporträts in den letzten Jahren bietet nun auch diese Schau, die sinngebend mit „Er ist wer“ untertitelt ist, mit einem knappen Dutzend Originalgemälden und mehreren Radierungen bzw. Skizzen eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit Idealisierung und freier Umsetzung eines Porträts. Während etwa John Simpson, dessen Bildnis aus dem Jahr 1773 aus dem Belvedere in Wien stammt, eher konventionell verewigt wurde, erlaubte sich die Künstlerin auch bei Adeligen mitunter Charakterisierungen, wie das Bild von Alexander August Zamoyski (1791) zeigt, oder gleich einige Freiheiten. Ein gutes Beispiel dafür ist auch das Porträt des Physikers und Theologen François Jacquier, das die Malerin erst gar nicht aus der Hand gab.

Geöffnet vom 1. Mai bis 28. Oktober, Di bis So, 10 bis 17 Uhr, im Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg.

<p class="caption">Diese beiden Bilder der Malerin repräsentieren die Bandbreite und die Meisterschaft von Angelika Kauffmann. VN/Cd</p>

Diese beiden Bilder der Malerin repräsentieren die Bandbreite und die Meisterschaft von Angelika Kauffmann. VN/Cd

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