„Ich glaube, dass Frauen genau hinsehen und Beziehungsexpertinnen sind“

„Kunst“ zählt zu den meistgespielten Stücken von Yasmina Reza. Das Landestheater präsentiert eine Neuinszenierung.  Stiplovsek

„Kunst“ zählt zu den meistgespielten Stücken von Yasmina Reza. Das Landestheater präsentiert eine Neuinszenierung.  Stiplovsek

Das Stück „Kunst“ handelt von drei Männern, geschrieben hat es Yasmina Reza, inszeniert hat Ute Liepold.

Bregenz „Ich beschäftige mich schon lange mit Genderthemen“, sagt Ute Liepold. Die Regisseurin und Autorin (geb. 1965) stammt aus Bregenz, hat vor allem in Kärnten Stücke wie Kafkas „Der Prozess“ inszeniert und gemeinsam mit  Bernd Liepold-Mosser das Theater Wolkenflug gegründet, mit dem sie im kommenden Sommer „König Ödipus“ von Sophokles im Klagenfurter Burghof zur Aufführung bringt. Sie leitet zudem Studien- und Forschungsprojekte und hat am Vorarlberger Landestheater eine Regiearbeit übernommen, die sie selbst „als Herausforderung“ bezeichnet. Die Bühne hat nämlich mit „Kunst“ ein Stück von Yasmina Reza ins Programm genommen, das nach der Uraufführung im Jahr 1994 landauf landab gespielt wurde und das auch der Vorgänger der Bühne am Bregenzer Kornmarkt, nämlich das Theater für Vorarlberg, nicht auslassen konnte.

Dass sich Serge ein reinweißes Bild kauft, bringt seinen Freund Marc derart in Rage, dass selbst Yvan, der ausgeglichene Dritte im Bunde, nichts mehr ausrichten kann. Ein Bild, auf dem nichts Sichtbares drauf ist, das damit aber eine große Projektionsfläche bietet, hat einen Spalt in die Männerfreundschaft getrieben, der sich auch mit vielen Worten kaum noch auffüllen lässt. Ob die drei, die da zu überprüfen haben, was sie eigentlich noch verbindet, noch eine Chance haben, lässt die Autorin offen, dass ein kurzes Aufflackern bereits ein Licht am Ende des Tunnels ankündigt, das sieht auch Ute Liepold nicht bestätigt.

Weltanschauung

Für die Wissenschaftlerin ist es fraglich, ob ein Mann dieses Stück auch so geschrieben hätte, seien die Dialoge doch sehr auf das Beziehungsgeflecht hin angelegt: „Ich glaube, dass Frauen genau hinsehen und Beziehungsexpertinnen sind.“ Sie wolle nicht biologisch argumentieren, aber vor allem die leisen Töne unter der Oberfläche könnten Frauen sehr genau erkennen. Und natürlich gehe es in „Kunst“ nicht wirklich um Kunst, bestenfalls um „Lebenskunst“ und „Weltanschauung“.

„Die Komödie ist nicht das Genre, in dem ich mich sonst umtue“, bemerkt Liepold, die die starke Präsenz dieses Werks als Auflage empfindet, der sie sich mit einem dezenten Überhöhungseffekt stellen will. VN-cd

Die Premiere von "Kunst" findet am 28. April, 19.30 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz statt. Zahlreiche Folgeaufführungen ab Mitte Mai: www.landestheater.org

„Yasmina Reza lässt auch sehr viel Luft. Die Emotionen sind angedeutet.“

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