Im bewährten Fahrwasser

In Bregenz zu Gast ist dieses Mal auch das Orchestra della Toscana.  Kulturamt/Borelli

In Bregenz zu Gast ist dieses Mal auch das Orchestra della Toscana.  Kulturamt/Borelli

Meisterkonzerte sollen mehr junge Besucher ansprechen.

Bregenz Als „eines der besten Pferde im Stall“ bezeichnete nicht ohne Stolz Bürgermeister und Kulturreferent Markus Linhart die Reihe der Bregenzer Meisterkonzerte. Die rein städtische Initiative kann auf die extrem hohe Auslastung der sechs Abokonzerte von 97 Prozent verweisen, der größte Teil der 1300 Abonnenten vor allem aus Vorarlberg und Süddeutschland hält dem qualitativ international top ausgerichteten Projekt auch langfristig die Treue. Sorge bereitet allein der hohe Altersdurchschnitt der Besucher, von denen 70 Prozent über 60 Jahre alt sind. Hier will man entsprechende Anreize für die Jugend schaffen.

Das derzeit verfügbare Budget von 470.000 Euro bleibt auf VN-Nachfrage auch angesichts des Defizits in der Stadtkasse auf gleicher Höhe wie seit Jahren, den Abgang von 130.000 Euro übernehmen Stadt, Land und Bank Austria als Hauptsponsor. Das sei, so der Bürgermeister, auch Ausdruck des klaren Bekenntnisses der Stadt zur Kultur, das in Kürze mit einem eigenen Strategiepapier untermauert werden soll. Michael Rauth als Stadtrat für kulturelle Angelegenheit präsentierte die Werte einer Besucherumfrage, die den Meisterkonzerten generell hohe Zufriedenheit mit kleinen Zusatzwünschen attestierten.

„Mit ganz viel Bier“

All dem hat die neue Kulturamtsleiterin Jutta Dieing in ihrer zweiten Saison mit dem ersten vollinhaltlich von ihr verantworteten Programm Rechnung zu tragen versucht. Mit der Besetzung der wie üblich sechs Termine durch internationale, teils erstmals hier auftretende Klangkörper in Kammerorchester- und Orchesterbesetzung mit den Wiener Symphonikern als Fixpunkt und oft noch wenig bekannten Dirigenten bewegt sie sich im gewohnten Fahrwasser ihres Vorgängers, ebenso mit dem Repertoire, das sich über populäre Klassik und Romantik nur bis in die „klassische Moderne“ des 20. Jahrhunderts mit Schostakowitsch oder Prokofjew vorwagt. Eine schon bei ihrem Amtsantritt angekündigte Ausweitung in Richtung Musik des 21. Jahrhunderts wird es laut ihrer Aussage erst in zwei bis drei Jahren geben, weil man mit langen Vorlaufzeiten an die Tourneeprogramme der Orchester gebunden sei und das Publikum mit solch ungewohnten Klängen auch nicht „erschrecken“ möchte. Es ist wohl auch die Angst davor, langjährig Bewährtes einfach über Bord zu werfen.

Dagegen war Jutta Dieing schon jetzt um erhöhte Attraktivität für junge und jüngste Zuhörer bemüht. Den tollen Erfolg des ersten Sitzkissenkonzertes mit Auszügen aus Mozarts „Zauberflöte“ will sie mit Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ prolongieren. Auch die Solisten der Abokonzerte sind deutlich jünger und damit hungrig nach Erfolg. Als einigermaßen aufsehenerregenden Start aber hat sich die Kulturamtsleiterin ein neues Format für alle Jahrgänge ausgedacht: eine „Alehouse-Session“, also ein Wirtshauskonzert mit Musik aus Tavernen im England des 17. Jahrhunderts im Gösserbräu. „Mit ganz viel Bier“, wie sie schmunzelnd anmerkte. JU

Bregenzer Meisterkonzerte

10. Oktober, Gösserbräu

Barokksolistene

27. Oktober, Festspielhaus

Orchestra dell‘Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Camille Thomas, Violoncello, unter Mikko Franck (Tschaikowski, Lalo, Sibelius)

8. Dezember, Festspielhaus

Baskisches Nationalorchester, Vadim Gluzmann, Violine, unter Robert Trevino (Ravel, Prokofjew, Schostakowitsch)

24. Jänner, Festspielhaus

Wiener Symphoniker, Antoine Tamestit, Viola, unter Francois-Xavier Roth (Berlioz, Beethoven)

20. März, Festspielhaus

Orchestra della Toscana, Francesca Dego, Violine, unter Daniele Rusioni (Ghedini, Castelnuovo-Tedesco, Respighi, Mendelssohn Bartholdy)

6. April, Festspielhaus

Mozarteum Orchester Salzburg, Rafał Blechacz, Klavier, unter Riccardo Minasi (Schubert, Chopin)

7. April, Werkstattbühne

Sitzkissenkonzert mit Mitgliedern des Mozarteum Orchester Salzburg (Saint-Saëns)

3. Mai, Festspielhaus

Kammerorchester Basel, Waltraud Meier, Mezzosopran, unter Paul McCreesh (Wagner, Tschaikowsky)

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