Zirkus ist besser als sein Ruf

von Sophie Weissensteiner
Die öffentliche Aufführung „Laboratorium: Circus“ findet am Donnerstag, dem 24. August, um 20.30 Uhr im Freudenhaus in Lustenau statt.  Foto: Sams

Die öffentliche Aufführung „Laboratorium: Circus“ findet am Donnerstag, dem 24. August, um 20.30 Uhr im Freudenhaus in Lustenau statt.  Foto: Sams

Das Freudenhaus bietet nun Artisten Raum für künstlerische Entfaltung.

Lustenau. Dem bis dato unterschätzten Kunstgenre Zirkus wirkt Willi Pramstaller, seit Jahrzehnten Leiter des Freudenhauses, das nun in Lustenau postiert ist, mit seinem Engagement für die Anerkennung des künstlerischen Potenzials von Artisten entgegen. Pramstaller hebt im Gespräch mit den VN Folgendes hervor: „Wir möchten ein Bild darüber geben, wo die österreichische Akrobatik zurzeit steht.“ Daher wurde das Zelt im Millennium-Park kurzerhand zu einem Laboratorium für Künstler aus drei Ländern umfunktioniert, um ihnen Raum zur Vorbereitung ihrer Nummern zu geben. Da sich der österreichische Zirkus im Vergleich zu Frankreich, Belgien, Skandinavien oder Kanada noch in den Anfängen befindet, ist diese Art von Unterstützung umso wichtiger für die Szene. Aufgrund von Fördermitteln des Bundesministeriums gibt es zukünftig auch mehr Hoffnung auf Etablierung der zeitgenössischen, qualitätsvollen Artistik in Österreich. Das Freudenhaus ist, so Pramstaller, aufgrund von langjähriger Erfahrung mit unterschiedlichsten Bühnenarrangements und den damit verbundenen technischen Herausforderungen ein idealer Ort für die Präsentation der künstlerischen Zirkus-darbietungen.

Anlehnung an „Metropolis“

Unter dem Namen „Laboratorium: Circus“ werden demnächst zwei Stücke präsentiert. Zum einen wird das Trio des in Wien ansässigen Kulturvereins „Fenfire“, das heißt Christiane Hapt und Sebastian Berger mit dem schottischen Künstler Michael Caden Pike, auftreten, und zum anderen steht ein Soloauftritt des in Vorarlberg lebenden Artisten Sebastian Gerer auf dem Programm. Thematisch setzt sich das „Fenfire“-Trio mit der Monotonie des Arbeitens auseinander, indem die Akteure typische und wiederholende Bewegungen von Arbeitern und deren Arbeitsschritte kreativ in das Stück integrieren. Sie setzen in ihren künstlerischen Ausführungen auf Objektmanipulation und Jonglagetechniken aus der Zirkusdisziplin, welche inhaltlich abgestimmt werden. Ihre Umsetzung „It’s About Time“ erinnert laut Pramstaller auch an den Filmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang, dessen Werk aus den 1920er-Jahren das System der Zweiklassengesellschaft hinterfragt.

Sebastian Gerer widmet sich mit „egoshow.com“, passenderweise als Solist, dem menschlichen Verhalten und Handeln. Mittels Diabolo, Jonglage und eigens komponierter Musik lässt Gerer Kurzgeschichten entstehen, in denen dem Ego auf die Spur zu kommen ist. Der ausgebildete Zirkuspädagoge konzentriert sich neben seinem artistischen Können ebenso intensiv auf die musikalische Komponente, die er immer mit berücksichtigt.     

Zwischenbilanz

„Die Auftritte von Alfred Dorfer oder Andreas Vitásek waren sehr beliebt, doch vor allem die musikalischen Darbietungen hatten es aufgrund der Vielzahl an Konzerten in Vorarlberg eher schwer“, lautet Willi Pramstallers Einschätzung zum bisherigen Verlauf der Saison im Freudenhaus. An diese Gegebenheiten soll daher das Programm in Zukunft angepasst werden. Ein vielfältiges Angebot, unter anderem mit dem international renommierten Ensemble „Cirque Le Roux“ und Fred Teppe aus Frankreich, macht er den Besuchern noch bis Ende September.

Wir möchten zeigen, wo die österreichische Akrobatik steht.

Willi Pramstaller
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