Seelenstriptease vor Publikum

von MIRIAM SORKO
Moderatorin und Wortkünstlerin Diana Köhle ermutigte die sechs Teilnehmer, schräge, lustige und auch frustrierende Erinnerungen von früher vorzutragen.   Foto: Sven Papmeier

Moderatorin und Wortkünstlerin Diana Köhle ermutigte die sechs Teilnehmer, schräge, lustige und auch frustrierende Erinnerungen von früher vorzutragen.   Foto: Sven Papmeier

Einträge aus alten Tagebüchern sorgten beim Poolbar-Festival für Klatschorgien.

Feldkirch. Das Leben schreibt die besten Geschichten, und genau diese wurden zum dritten Mal in der Poolbar beim Tagebuch-Slam präsentiert. Es gibt eine Vor- und Finalrunde und das Publikum entscheidet durch Applaus, wer als Sieger hervorgeht und mit 1000 Schilling (!) Taschengelderhöhung belohnt wird. Sechs mutige Teilnehmer trugen jeweils fünf Minuten lang ihre geheimen Tagebucheinträge aus Teenagerzeiten vor.

Diana Köhle, die Gründerin und Organisatorin des Tagebuch-Slams, moderierte mit viel Wortwitz die Veranstaltung. „Wir lachen nicht übereinander, sondern miteinander. Wir hören Geschichten, die nicht für die Öffentlichkeit geschrieben wurden,“ erklärt Diana Köhle und fügt hinzu: „Die Peinlichkeiten von damals sind heute Nichtigkeiten.“ Die Moderatorin löste beim Publikum mit kurzen Tagebucheinträgen ehemaliger Kandidaten viel Applaus aus. In den Einträgen wurden coole Busen, Sex im Zelt und die Anziehungskraft eines heißen Pfarrers beschrieben.  

Liebes Tagebuch

Das Publikum wurde beim Tagebuch-Slam zu einer Zeitreise durch die eigene Vergangenheit verführt. Außer dem Tagebuch hatten die Teilnehmer keine Hilfsmittel, um ihre Geschichten den Zuhörern näher zu bringen. Kämpfe mit ihren Brüdern, Haustiere und viel Herzschmerz thematisierte die 20-jährige Lea aus Feldkirch. Von klebrigen Händen, die für immer zusammenkleben werden, erzählte Sylvia aus Tirol. „Wie kann in einer so schönen Hülle so wenig Inhalt stecken“, lautete das Resümee über ihren Ex-Freund. Die 1995 geborene Franziska aus Lauterach sprach über teure Christkind-Geschenke, eine anstrengende Lehrerin und erste Dates. Der 39-jährige Daniel aus Rankweil war an diesem Abend der Hahn im Korb und faszinierte mit seinen Einträgen über erste Flirtversuche und komplizierte Liebesdreiecke. „Als Teilnehmer kann man seine eigene Vergangenheit aufarbeiten und gibt sehr intime Erlebnisse preis, die das Publikum erheitern“, sagt Daniel. Die 1965 geborene Ulrike, die sich wenige Stunden vor der Veranstaltung für eine Teilnahme entschieden hatte, gab mitreißende Gedichte wieder. „Das Schöne am Tagebuch-Slam ist, dass man noch einmal in sein früheres Ich hineinschlüpft. Einerseits fühlt man sich nicht mehr wie damals, andererseits weiß man noch genau, wie es sich angefühlt hat“, erklärt die 47-jährige Mona aus Bregenz, die zur Siegerin gekürt wurde. Ihre Erzählungen über schlaflose Nächte, angebrannte Geschirrtücher und düstere Zeiten ließen die Zuhörer mit der Teenager-Mona mitleiden.

Endspurt

„Bis dato besuchten 15.500 Gäste die Poolbar und gingen inspiriert und glücklich wieder nach Hause. Wir hatten bisher einen sehr prächtigen Poolbar-Sommer. Es folgt nun ein intensiver Endspurt, der dem Team mit rund 130 Mitarbeitern und den Gästen nochmal alles abverlangen wird“, sagt Festival-Initiator Herwig Bauer. Im Reichenfeld-Areal geht es noch einmal heiß her, die Musikgruppe Allah-Las, die Indie-Pop-Band Lola Marsh und Fenech-Soler werden den Zuhörern einheizen. Höhepunkt und Ende bildet das Konzert der neuseeländischen Band The Naked and Famous.

Das Poolbar-Festival läuft noch bis 15. August im Reichenfeld-Areal: www.poolbar.at

Wir hatten bisher einen sehr prächtigen Poolbar-Sommer.

Herwig Bauer
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