Über die Flexenstraße zu Beethoven und Blues

Gestern Abend standen beim Lech-Classic-Festival „Berühmte Opernchöre“ auf dem Programm.  Foto: LZT

Gestern Abend standen beim Lech-Classic-Festival „Berühmte Opernchöre“ auf dem Programm.  Foto: LZT

Das sechste Lech-Classic-Festival offerierte nicht nur berühmte Chöre, sondern so manche Überraschung.

Lech. (VN) Am Ende hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sesseln. Für die junge, erst am Beginn ihrer Karriere stehenden Südtirolerin Elisa Wallnöfer war der Auftritt mit einem Profi-Orchester eine spezielle Herausforderung. In der Neuen Kirche in Lech spielte die Pianistin Werke von Haydn und Beethoven, überzeugte neben dem Fagottisten Johannes Kafka und unter der Leitung von Thomas Rösner mit ihrer Musikalität und ihrer Anschlagkultur und bot als Zugabe, sozusagen als Kontrast oder zum Drüberstreuen einen Blues, mit dem sie bewies, dass jede Musik für ein klassisches Konzert taugt, wenn sie nur gut ist und von Könnern dargeboten wird.

Wie der Name schon sagt, widmet sich das zum sechsten Mal von den Musikkennern Marlies und Franz Wagner organisierte Lech-Classic-Festival der E-Musik. Nach zwei anspruchsvoll unterhaltenden venezianischen Abenden (mit zahlreichen Instrumentalsolisten und Orchestermusikern, die in der Lage waren, solistisch zu brillieren) und dem erwähnten Orchester-Solisten-Konzert war der Bogen am gestrigen Abend breit gespannt. „Berühmte Opernchöre“ lautete das Motto, und wenn es sich um Mitglieder des Wiener Singvereins oder des Domchores handelt, dann haben die ausgesprochen routinierten Interpreten auch im vergleichbar kleinen Kirchenraum Platz, dessen Akustik den Klang entsprechend vergrößert.

Neugierde

„Die Aufführungen in diesem Raum sind nur scheinbar ein Wagnis“, erklären die Veranstalter und fanden sich wiederum im kundigen Publikum in guter Gesellschaft. Purcell, Mozart, Lortzing, Weber, Bellini, Verdi, Wagner oder Puccini, das heißt also, dass die Bandbreite vom Barock über die Klassik, der deutschen und der italienischen Romantik bis hin zum Verismo reichte. Wer im letzten Jahr den ersten Akt der „Walküre“ erlebte, der erwartete auch das „Treulich geführt . . .“ aus dem „Lohen­grin“ nicht mit Skepsis, sondern mit Neugierde und Spannung. Bis hin zum „Te Deum“ aus der „Tosca“ hielt sie an, das man pathosfrei vernehmen konnte.

Zum Abschluss des Festivals findet am Samstag die Aufführung von Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ statt. Danach wird am Konzept für das siebte Festival gearbeitet, denn das Publikum, das für den Musikgenuss zum Teil eigens die Flexenstraße überwindet, hat längst festgestellt, dass sich die Anreise lohnt.

“Die Schöpfung“ von Haydn, Aufführung am 5. August, 17 Uhr, in der Neuen Kirche Lech mit dem Lecher Festival-Chor und dem Festival-Orchester unter Thomas Rösner

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