Teufelskerl an der Blockflöte

von Fritz Jurmann
Olga Watts, Maurice Steger und Hille Perl in Tschagguns.  Foto: JU

Olga Watts, Maurice Steger und Hille Perl in Tschagguns.  Foto: JU

Maurice Steger eröffnet die „Montafoner Resonanzen“ mit einem Paukenschlag.

TSCHAGGUNS. Wenn es so etwas wie einen Geschwindigkeitsrekord im Blockflötenspiel gäbe, hätte ihn Maurice Steger (46) längst gewonnen. Der international auch als Dirigent bekannte Schweizer Musiker eröffnete am Donnerstagabend als „Artist in Residence“ mit einem Barockkonzert in Triobesetzung in der vor allem mit Urlaubsgästen sehr gut besuchten Wallfahrtskirche das Festival „Montafoner Resonanzen“, wie der vormalige „Montafoner Sommer“ nun heißt.

Eigentlich ist Steger ja der geborene Showman. Wie er sich breitbeinig hinstellt, mit seinen vielen Blockflöten und seinem Charme mit großen Körperbewegungen das Publikum sofort verzaubert wie ein moderner Rattenfänger von Hameln, ist er einfach ein musikalischer Teufelskerl. Man glaubt ihm sofort, dass es nichts Schöneres auf der Welt gibt, als auf diese mitreißend virtuose Art Blockflöte zu spielen.

Solche Äußerlichkeiten erschöpfen sich freilich oft sehr bald. Doch Steger beweist von Beginn an, dass es ihm nicht nur um schneller, höher und besser geht. Genauso wichtig sind ihm, dank einer großen Portion an Musikalität, bei allem Spielwitz auch die Schönheit und der authentische Originalklang seiner Musik.

Hille Perl

In einer kurzen Einführung vermittelt er den gebannt lauschenden Zuhörern auch, dass Barock nicht gleich Barock ist, welche stilistischen Unterschiede es in den Werken deutscher, französischer und italienischer Komponisten gibt und wie viele emotionale und spieltechnische Facetten überhaupt in dieser Musik stecken und macht dann sofort die Probe aufs Exempel, indem er solo auf seiner Sopranblockflöte ein Stück von Telemann bläst, erzählend, unglaublich berührend im Ausdruck, im gekonnten Umgang mit dem Vibrato, mit endlosem Atem. Dann gesellen sich die beiden Damen seines Ensembles hinzu, jede von ihnen eine Könnerin von besonderem Format und damit auf Augenhöhe mit ihrem Chef.

Da ist die Deutsche Hille Perl, die als Interpretin von Musik des 17. und 18. Jahrhunderts an ihrer siebensaitigen Spezialausgabe einer Viola da Gamba von 1686 als Vorläuferin unseres Cellos europaweit bekannt ist. Die vergeistigt wirkende Musikerin von großem Charisma begnügt sich freilich nicht damit, bloß wie üblich die Basslinien des Continuos zu unterstützen, sondern greift in Triosonaten des Deutschen Georg Philipp Telemann gerne duettierend und duellierend mit der Blockflöte auch in die melodische Entwicklung ein. Zu ihrem Herzeigestück wird die in immer neuen Einfällen fantastisch ausgezierte Variationenreihe des Franzosen Marin Marais über das landschaftsbezogene Thema „Les Folies d’Espagne“.

Olga Watts

Am Cembalo flämischer Bauart agiert nicht weniger kompetent die weltweit gefragte, heute in München und Salzburg lehrende gebürtige Moskauerin Olga Watts. Sie verleiht der Musik stilsicher und mit größter Präzision das harmonische Fundament und entfacht solistisch vor allem im „Jupiter“ von Jean-Baptiste Forqueray mit rauschenden Arpeggien ein Feuerwerk an großer Cembalokunst. Steger seinerseits will da in nichts nachstehen und läuft bei einer eigentlich einem Kastraten zugedachten Kantate des Deutschen Giovanni Adolfo Hasse mit wirklich enorm sanglich gestalteten Kantilenen noch einmal zu großer Form auf. Viel Begeisterung im akustisch wunderbar tragenden Kirchenraum.

„Montafoner Resonanzen“: Samstag, 20.15 Uhr, Alte Pfarrkirche Vandans: Barockkonzert mit „The Dorian Consort“; Sonntag, 11 Uhr, Kloster Gauenstein Schruns: Gitarren-Recital mit Frank Bungarten

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