Für Sammler und Entdecker

von Ariane Grabher
Die Vorarlberger Galeristin Lisi Hämmerle mit einer Installation des Künstlers Leo Peschta.  Foto: VN/Paulitsch

Die Vorarlberger Galeristin Lisi Hämmerle mit einer Installation des Künstlers Leo Peschta.  Foto: VN/Paulitsch

Zum neuen Termin in den neuen Hallen ist an der Kunstmesse Art Bodensee vieles neu.

DORNBIRN. Dass Kleider Leute machen, weiß man ja. Aber machen neue Messehallen auch eine neue Messe? In Dornbirn tritt man mit der 17. Auflage der Kunstmesse Art Bodensee, der ersten Veranstaltung in den vom international renommierten Vorarlberger Architekturbüro Marte.Marte gestalteten Hallen, den Beweis an.

Qualmend und mit dröhnenden Motoren „eingefahren“ wurde die Art Bodensee, die sich heuer zwar auf einer erweiterten Ausstellungsfläche und mit insgesamt 75 Galerien und Institutionen auch leicht gewachsen präsentiert, trotzdem aber die exklusiv-entspannte Salonmesse für Sammler und Entdecker bleiben will, bereits bei der gestrigen Preview. Und zwar in dem roten, arenenartigen elliptischen Ladehof mit der Reifenspuren hinterlassenden Performance „Roundabout“ mit zwei Motorrädern des in den USA lebenden österreichischen Künstlers Hubert Dobler, der vielleicht rasanteste Neuzugang der Dornbirner Galerie c.art.

Edle Räume

Die Kunst macht sich ausnehmend gut in Halle 11, die sich mit klavierlackschwarzer Decke edel zurücknimmt, während die roten Eingangsbereiche und Foyers einen feierlichen Zugang und viel Spielraum für neue Formate und Experimente bieten. So entfaltet sich, neben bewährten Fixstartern, wie dem von Harald Gfader kuratierten „featured artist“, der in diesem Jahr den Maler und Bildhauer Johannes Ludescher präsentiert, ein entsprechend breites Begleitprogramm aus Sonderschauen.

Darunter die Re-Inszenierung der Präsentation „In Search of the Unexpected“ von Marte.Marte für die Architektur Biennale im vergangenen Jahr oder die Installation „Tower of Madness“ von Roland Adlassnigg und Paul Renner, die mit Destillieranlagen und Türmen aus Lebensmitteln die jeweiligen Kernkompetenzen der beiden Vorarlberger Künstler in einem wahnwitzigen kunst-kulinarischen Projekt zusammenbringen. Mitten im Messegeschehen prominent platziert sind mit der Sonderschau „Kritische Masse“ des österreichischen Künstlerkollektivs Steinbrener/Dempf & Huber, die als Teaser für die kommende Ausstellung im Kunstraum Dornbirn fungiert, ein Schwarm Spechte eingeflogen. Gelandet scheinen die Kunststoffvögel, die in der Natur Einzelgänger sind, eher unsanft – wie Dart-Pfeile stecken sie in einem überdimensionalen Sandkasten. Das Angebot rundum an Kunst ist groß und vielfältig, aber gerade das breit gefächerte Spektrum und die Zusammensetzung aus moderner und ganz junger Kunst machen für Projektleiterin Isabella Marte den Charakter und die Stärke der Messe aus: „Die klassische, hochpreisige Moderne hat es schwer, das Gros der Verkäufe liegt in einem Bereich unter 5000 Euro.“ Und vielleicht stimmt die Verheißung des deutschen Bananensprayers Thomas Baumgärtel, vertreten durch BEGE Galerien Ulm, auf einem gelben Metallschild ja tatsächlich: „Wer Kunst kauft, kommt ins Paradies.“

Geografische Kleider

Ob Sebastian Vettel das im vergangenen Jahr auch schon gewusst hat? Gekauft hat er bei der Berliner Galerie Blond & Blond, die in diesem Jahr mit einem Querschnitt aus dem Programm zum zweiten Mal wieder da ist, eine erfrischende Hommage an die Berge und den See mitbringen und die Synergie von einer gemeinsamen Halle für alle loben. Victor Lope aus Barcelona ist schon zum neunten Mal da, fährt ein internationales Programm und immer wieder nach Dornbirn, weil die Art Bodensee seine erste Messe nach der Galeriegründung war. Ebenfalls aus Barcelona, ein Neuzugang, die Galerie Cortina mit Grafik von Klassikern wie Miro, Chillida und Picasso. Neu u. a. auch die Kahn Gallery London, die mit den entzückenden Kleidern aus Stadtplänen, Landkarten etc. („Les robe geographiques“) der französischen Künstlerin Elisabeth Lecourt aufwartet, oder die Innsbrucker Galerie Johann Widauer, die mit Peter Kogler, Heimo Zobernig oder Heinz Gappmayr auf bekannte österreichische Namen setzt, wieder dabei nach einer Pause die Wiener Galerie Konzett.

Kaufen hilft, aber schauen ist auch schön. Vor allem an gestalteten Kojen, wie jener der Bregenzer Galerie Lisi Hämmerle, die mit Seifenskulpturen von Ulli Knall, Malerei von Bernhard Buhmann, einem Vorhang und Objekten von Claudia Larcher oder der sich selbst malenden Neonröhre von Leo Peschta antritt. Die Text-Schrift-Arbeit von Stoph Sauter „Das kaufe ich dir nicht ab“ kann da ruhig in der Ecke stehen.

<p class="caption">Die Kunstmesse Art Bodensee wurde gestern Abend in den neuen Messehallen eröffnet. 75 namhafte Galerien sind vertreten.</p>

Die Kunstmesse Art Bodensee wurde gestern Abend in den neuen Messehallen eröffnet. 75 namhafte Galerien sind vertreten.

<p class="caption">Installation mit Spechten der Gruppe Steinbrener/Dempf & Huber, offeriert vom Kunstraum Dornbirn.</p>

Installation mit Spechten der Gruppe Steinbrener/Dempf & Huber, offeriert vom Kunstraum Dornbirn.

Mit unserer Architekturschau haben wir etwas von diesem Geist aus Venedig mitgebracht.

Stefan Marte
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