Zerbrechlich, aber als Kunstwerk doch so stark

Teil der Installation von Alois Hechl und Alex Samyi.  Foto: AG

Teil der Installation von Alois Hechl und Alex Samyi.  Foto: AG

Im QuadrART ist zeitgenössische Glaskunst aus Österreich, Deutschland und Belgien zu sehen.

DORNBIRN. (ag) Aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken, war Glas lange Zeit der einzige transparente Feststoff und ob seiner Zerbrechlichkeit und der aufwendigen Herstellung als äußerst kostbar gehandelt. Zwischen industrieller Herstellung, modernsten Hightechverfahren und traditioneller Glasbläserei behauptet sich, wenn auch hierzulande unterrepräsentiert, die Glaskunst. Um diese Gattung im Ländle ein wenig aus ihrem Schattendasein herauszuholen, hat die Dornbirner Künstlerin Uta Belina Waeger im QuadrART eine Ausstellung mit fünf zeitgenössischen Positionen aus Österreich, Deutschland und Belgien kuratiert und fragt provokant „Nur Glas?“.

Biolabor

Die bewährten Spielregeln, eine Schau um ein Stück aus der QuadrART-eigenen Sammlung zusammenzustellen, gelten auch für die Hausherrin. Derweil die edlen, langstieligen Gläser unter einem Glassturz ihrer Verwendung zu harren scheinen, befüllt das Kärntner Duo Alois Hechl & Alex Samyi ein Arrangement von knapp über dem Boden schwebenden transparenten Glaskugeln mit roter Flüssigkeit und symbolischer Schwere. Essig, Wein oder Blut, die Umkehrung von Himmel und Erde? Die Kugel als vollkommene Form lässt sich mit verschiedenem Inhalt füllen, sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn. Das kommt besonders in der Installation „LAB 2“, mit der erstmals der QuadrART-Außenraum bespielt wird, zum Tragen. Die mit keimenden Grassamen gefüllten Glaskugeln auf Stahlstangen schwingen als eine Art Biolabor im Wind. Quasi eine Monokultur und ein gegen außen (fast) geschlossenes System verkörpernd, sicher verwahrt, wie hinter einer Grenze, aber ohne Austausch und Kontakt mit anderen Pflanzen, verkümmern die jungen, saftig grünen Gräser mit fortlaufender Dauer.

Hassliebe

„LAB 2“ ist ein Sinnbild für den Versuch der Abschottung und demonstriert eine spannende, aktuelle künstlerische Position, wenn Hechl/Samyi Formfindungsprozesse mit relevanten gesellschaftlichen und umweltpolitischen Fragestellungen verquicken. Gänzlich anderer Verfahren und Techniken, deren Vielfalt in der Ausstellung zumindest ansatzweise aufgezeigt werden soll, bedient sich Jeroen Heerwegh in seiner Bodeninstallation. Weiße und schwarze, matte und glänzende Glasstücke als organisch anmutende Formen werden vom jungen Belgier auf Holz drapiert, zwei mit einem Seil versehene dickwandige Teile erinnern an Bojen. Während Julius Weiland (D) industriell gefertigtes Röhrenglas zu Clustern reiht und im Ofen verschmelzen lässt, die Grenzen des Materials in Sachen Form- und Belastbarkeit voll auslotet, „verstrickt“ Nadja Recknagel (D) dünne Glasstäbe zu filigranen Objekten, die von der Suche der Künstlerin nach Leichtigkeit und Dualitäten bestimmt sind.

Die Ambivalenz zum Material, eine Art Hassliebe, lebt Till Augustin (D) in der Installation „Glas Hass eben…“ aus, die auf einer Aktion von 2015 beruht, bei der der Nürnberger Bildhauer eine selbst gebaute Glassäule mit dem Hammer zerstört hat. Massiv, monolithisch dagegen die Skulptur „IceCube“ aus eisig blau-schimmerndem Glas mit einem Sehschlitz ins Innenleben des Objekts.

Die Ausstellung ist im QuadrART Dornbirn, Sebastianstraße 9, in Dornbirn, bis 23. Juli geöffnet, bis 14. Juni jeweils Do, Fr und Sa, 17 bis 19 Uhr, anschließend nach Vereinbarung unter 05572 909958.

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